Von der Kuckuckshummel die nicht mehr fliegen konnte

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Auch Hummeln bekommen es regelmäßig mit Kuckuckskindern zu tun.

Ganz ähnlich wie der Vogel, legen auch so genannte Kuckuckshummel-Königinnen ihre Eier in fremde Hummelnester und lassen die anderen die Arbeit machen.

Dies ist eine ziemlich spannende Geschichte, denn ich stelle mir dann immer die Frage: warum erkennen die Hummeln den Kuckuck nicht? Warum werfen sie ihn nicht gemeinsam aus den Nest? Immerhin sind sie zumeist in der Überzahl. Aber Kuckuckshummeln sind gut getarnt. Sie ähneln der Wirtshummelart sehr. Sowohl in Körpergröße, -färbungsmuster als auch -geruch. Zudem haben Kuckuckshummeln ein festeres Außenskelett und sind dadurch weniger verwundbar. Stellen die Arbeiterinnen oder gar die Königin also fest, dass sich eine Kuckuckhummel-Königin im Nest befindet und wollen sie los werden, kämpfen sie gegen einen Feind mit stärkeren Waffen. Dazu kommt noch: ist der Feind erkannt, kann schon alles zu spät sein. Die Kuckuckshummel-Königin hat dann vielleicht schon Eier gelegt und kann das Nest getrost verlassen – mit der Sicherheit ihre Eier gut untergebracht zu haben.

Letzte Woche bin ich einer Kuckuckshummel-Königin begegnet. Kuckuckshummeln kann man meist gut an ihren verdunkelten Flügeln erkennen. Vermutlich gehörte sie zur Art der Angebundenen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus). Da diese Art aber sehr der Keuschen Kuckuckshummel (Bombus vestalis) ähnelt, ist die genaue Artzugehörigkeit schwer festzustellen, wenn man nicht ein Mikroskop oder sogar genetische Untersuchungmethoden zur Verfügung hat.

Kuckuckshummel
Kuckuckshummel-Königin mit den typischen dunklen Flügeln
Ackerhummel
Die Ackerhummel (Bombus pascuorum) z.B. hat helle Flügel und gehört nicht zu den Kuckuckshummeln.

Diese Kuckuckhummel-Königin jedenfalls saß einfach so am Wegesrand und bewegte sich kaum. Dank ihrer Größe von ungefähr zweieinhalb Zentimetern war sie aber kaum zu übersehen. Ich bückte mich zu ihr runter und sie versuchte weg zu fliegen, kam aber kaum einige Millimeter vom Boden weg, bevor sie wieder auf die Erde plumpste. Physikalisch konnte man lange Zeit sowieso nicht erklären, dass Hummeln fliegen können. Ihre Körperfülle sollte es nicht erlauben von den relativ kleinen Flügeln durch die Luft getragen zu werden… Aber glücklicherweise beweisen Hummeln jedes Jahr aufs Neue das Gegenteil und fliegen teilweise mit rasender Geschwindigkeit ihrer Wege.
Vor gar nicht allzu langer Zeit hat man dann neue Erkenntnisse gewonnen, die erklären, dass Hummeln deswegen so gut fliegen können, weil ihre Flügel flexibel sind und sie zusätzlich ein sehr bewegliches Gelenk besitzen, was eine optimale Flügelbewegung ermöglicht.

Schmarotzerhummelkönigin
Die Kuckuckshummel-Königin am Wegesrand. Ihr Rüssel hängt schlapp auf den Boden. Zwischen Kopf und Brust ist der Milben-Befall gut zu erkennen.
Schmarotzerhummelkönigin
Ein Flugversuch… Viele Milben sitzen auch zwischen Brust und Hinterleib.

Bei meiner Hummeln stellte ich dann fest, dass sie stark von Milben befallen war – an sich für Bienen erst einmal nichts besonders außergewöhnliches. Viele Bienen tragen Milben mit sich herum, können mit diesen aber meistens gut leben. Auch ihr Flugverhalten wird nicht deutlich beeinträchtigt, solange die Milben nicht so an den Flügelgelenken sitzen, dass sie die Flügelbewegung beeinträchtigen würden. Bei der Hummel war dies nicht der Fall. Und auch ihre Flügel waren noch top in Schuss. Bei alten Bienen fransen die Flügel mit der Zeit immer mehr aus, sodass sie dann immer schlechter fliegen können. Aber auch das war an den Flügeln der Hummel nicht zu beobachten. Also wunderte ich mich darüber, dass sie es nicht schaffte in die Luft zu starten und pflückte ein paar Blüten, um ihr etwas zu Trinken anzubieten. Das wollte sie auch dankbar annehmen, doch schaffte sie es nicht ihren Rüssel koordiniert zu bekommen, sodass dieser im Blütenkelch ankam. Irgendwann hatte sie es mit Hilfe ihrer Vorderbeine geschafft, ihren Rüssel in die Blüte zu stecken. Offenbar kam sie dann auch ein wenig zu Kräften und lief davon. Weg zu fliegen gelang ihr aber immer noch nicht. Ich musste sie irgendwann allein lassen, um weiter meiner Arbeit nach zu gehen, schaute aber später doch nochmal nach ihr. Sie hatte ein paar Meter gemacht, saß aber immer noch am Wegesrand.

Als ich näher kam wollte sie mir drohen. Ein gutes Zeichen, denn wenn sie in der Lage dazu war, dachte ich müsste es ihr besser gehen. Typischerweise drohen Hummeln einfach, indem sie ihr mittleres Bein in deine Richtung ausstrecken. Dadurch wirken sie tatsächlich bedrohlich(er). Bei ihrem Versuch jedoch, das Bein in die Luft zu strecken, ist sie auf den Rücken gekippt. Sie war anscheinend wirklich nicht mehr fit. Sie startete, nachdem ich ihr wieder auf die Beine geholfen hatte einen erneuten Flugversuch, schaffte es aber nicht abzuheben – und versuchte es letztendlich auch nicht mehr. Sie krabbelte weg und versteckte sich schließlich unter einem vertrockneten Blatt.

Drohende Schmarotzerhummelkönigin
Drohende Hummel
Schmarotzerhummelkönigin
Kuckuckshummel-Königin geht ihrer Wege

Als ich am nächsten Tag an der selben Stelle vorbei ging, war weit und breit kein Anzeichen mehr von ihr. Nur die Blüten, die ich ihr gepflückt hatte, lagen vertrocknet da.

 

Auftakt zum Maskenball

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Viele Maskenbienen (lateinisch: Hyleaus) lassen sich viel Zeit bis sie schlüpfen und erscheinen erst allmählich ab Mai oder Juni auf der Bildfläche. Und auch in vielerlei weiterer Hinsicht sind Maskenbienen durchaus außergewöhnlich:

Ihren Namen verdanken sie der, vor allem bei den Männchen stark ausgeprägten, gelben oder weißlichen Gesichtszeichnung. Hat man einmal einen Eindruck von ihrem charakteristischen Aussehen,erkennt man sie sofort, wenn sie vor einem auf einer Blüte sitzen; nicht aber unbedingt, wenn sie vor einem durch die Luft „hüpfen“. Ihr Flugstil erscheint tatsächlich fast, als würden sie von einer imaginären Plattform zur nächsten springen.

Maskenbiene Männchen
Maskenbienen Männchen mit der typischen Gesichtsmaske

 

Maskenbiene Weibchen
Maskenbienen Weibchen besitzen keine komplette Maske, sondern tragen eher gelbe oder weiße Striche und Punkte im Gesicht

Maskenbienen gehören zu den eher kleineren Wildbienenarten und sind somit schwer im Flug zu erkennen. Erst wenn sie sich auf eine Blüte setzen, um Nektar zu trinken oder um sich zu putzen, zeigt sich die typische Gesichtsmaske, wodurch sie dann leicht zu erkennen sind. Da sich viele Maskenbienenarten sehr stark ähneln, ist es kaum möglich den Bienen den richtigen Artnamen zuzuweisen, ohne sie unter einer Lupe zu betrachten. Auf den ersten Blick könnte man sie sogar mit Fliegen verwechseln: die meisten Maskenbienenarten sind kaum einen Zentimeter groß und außer den gelben oder weißen Flecken, komplett schwarz. Außerdem sind sie – was für viele Wildbienen ja eigentlich typisch ist – kaum behaart. Die Maskenbienenweibchen besitzen, im Gegensatz zu vielen ihrer Wildbienenverwandten, keine Haarstrukturen am Hinterleib oder ihren Hinterbeinen, die es ihnen ermöglichen den gesammelten Pollen von den Blüten zum Nest zu tragen. Nein, Maskenbienenweibchen bedienen sich da einer ganz anderen Methode. Sie verschlucken den Pollen in einer Art Kropf. Am Nest angekommen spucken sie ihn dann, gemeinsam mit dem gesammelten Nektar, wieder aus und stellen ihrem Nachwuchs somit ein recht feuchtes Nektar-Pollen-Gemisch zur Verfügung.

Maskenbiene
Maskenbienen Weibchen sammelt Pollen für den Nachwuchs.

Ihr Nest bauen die meisten Maskenbienenarten nicht selbst, sondern nutzen schon vorhandene Hohlräume. Diese können so unterschiedlich, wie die Maskenbienenarten untereinander ähnlich, sein. Man findet Maskenbienennester sowohl in Käferfraßgängen in Totholz, als auch in ehemaligen Nestern anderer Wildbienen oder Wespen, an Sand- und Lehmwänden, oder auch in Gesteinsritzen oder Schilfröhricht. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir viele Maskenbienen ebenso an Wildbienen-Nisthilfen finden können. Die Weibchen nutzen gern die zur Verfügung gestellten Schilf- und Bambushalme, oder Bohrlöcher in Hartholz, um dort Brutzellen für den Nachwuchs anzulegen.

Bella Donna unter den Wildbienen – die Pelzbiene Anthophora quadrimaculata

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Anthophora quadrimaculata, die Vierfleck-Pelzbiene ist eine der auffälligsten Erscheinungen, die wir derzeit an vielen verschiedenen Blütenpflanzen beobachten können.

Mit ihren smaragdgrünen Augen ist sie kaum zu übersehen!

Vierfleck Pelzbiene beim Nektartrinken an Büschelschön
Vierfleck-Pelzbiene beim Nektartrinken an Büschelschön
Vierfleck Pezlbiene trinkt an Büschelschön-Blüte
Vierfleck-Pelzbiene trinkt an Büschelschön-Blüte

Oder doch? – dieser kleine Knubbel ist nämlich ganz schön flink unterwegs. Ihren Körperbau kann man nicht gerade als schlank bezeichnen, aber nichtsdestotrotz fliegt sie in einem rasanten Tempo von Blüte zu Blüte. Deshalb kann es schon mal passieren, dass man einfach nur einen kleinen, gräulichen Kugelblitz durch die Luft sausen sieht und erst, wenn sie sich mal für einen Bruchteil einer Sekunde an einer Blüte aufhält erkennt man, mit wem man es hier zu tun hat. Um keine Zeit auf ihrem Weg von einer Blüte zur nächsten zu verlieren, streckt sie oft schon während des Fluges ihren Rüssel raus und kann, an der nächsten Blüte angekommen, sofort anfangen den Nektar aufzunehmen.

 

Vierfleck Pelzbiene mit schon ausgestrecktem Rüssel im Anflüg an eine Blüte
Vierfleck-Pelzbiene mit schon ausgestrecktem Rüssel im Anflug an eine Blüte

 

Ihr ‚Schönheits‘-Merkmal – die hellen, bläulich-grünen Augen – sind durchaus öfters zu beobachten. Es gibt einige weitere Wildbienenarten, die keine schwarzen, sondern eben helle Augen besitzten. Trotzdem aber bleibt es etwas Besonderes!

Zusätzlich aber zu dieser Besonderheit verleiht ihre gedrungene Körperform, zusammen mit ihrem gräulich-beigen Pelz, der Vierfleck-Pelzbiene, eine wunderbar charmante Erscheinung, wie ich finde:

Gut zu erkennen sind die smaragdgrünen Augen der Vierfleck Pelzbiene, wenn sie sich trinkend an einer Blüte niederlässt
Gut zu erkennen sind die smaragdgrünen Augen der Vierfleck-Pelzbiene, wenn sie sich trinkend an einer Blüte niederlässt

 

Wie alle Pelzbienen transportiert auch Anthophora quadrimaculata den gesammelten Pollen an ihren Beinen zum Nistplatz (vielleicht erinnert ihr euch: im Gegensatz dazu transportieren die Mauerbienen den Pollen z.B. unter ihrem Hinterleib). Auf welche Weise der Pollen zum Nest transportiert wird hängt meist mit der Zugehörigkeit einer Bienenart zu der entsprechenden Gattung zusammen. So gibt es eben Gattungen in denen sich das Transportieren des Pollens an den Beinen etabliert hat (wie bei den Honigbienen, Hummeln oder Pelzbienen), andere die den Pollen unter ihrem Hinterleib ‚verstauen‘ (wie beispeilweise Mauerbienen und Blattschneiderbienen) oder aber auch, wie bei den Maskenbienen, solche bei denen der Pollen zum Transport verschluckt wird.

 

Die Vierfleck-Pelzbiene Anthophora quadrimaculata mit großen Pollenpakten an ihren Hinterbeinen
Die Vierfleck-Pelzbiene Anthophora quadrimaculata mit großen Pollenpakten an ihren Hinterbeinen

 

Aber zurück zu unserer Pelzbiene: Ihren Nistplatz sucht sich die Vierfleck-Pelzbiene bevorzugt an vertikalen Flächen, wo sie sich selbst ihre Niströhren baut. Gerne nutzt die Pelzbiene hierzu Sand- oder Lehmwände, oder auch Lehmfugen bzw -mauern. Das Material darf nicht zu fest sein, denn sonst hat die Biene keine Möglichkeit Löcher hineinzunagen. Nicht nur für die Pelzbiene, sondern auch für viele andere Bienenarten ergibt sich hieraus ein Problem. Leider gibt es heutzutage immer weniger geeignete Niststandorte, die die richtigen Bedingungen bieten. Umso wichtiger ist es genau die Standorte, die momentan noch zur Verfügung stehen, wie z.B. ehemalige Kiesgruben, zu erhalten.