Filzbienen (Epeolus) profitieren von der Arbeit der Rainfarn Seidenbiene

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Letzte Woche hatte ich ja über die Seidenbienen berichtet. Diese Woche will ich euch eine Gruppe von Bienen vorstellen, die sehr vom Fleiß der Seidenbienen profitieren: die Filzbienen (ihr lateinischer Gattungsname ist Epeolus).

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Die Filzbiene Epeolus variegatus trinkt den Nektar einer Rainfarn-Blüte (Tanacetum vulgare)

Filzbienen sind, wie die Wespenbienen über die ich ganz zu Anfang einmal berichtet hatte, sogenannte Schmarotzerbienen. Das heißt, als parasitäre Arten kümmern sie sich nicht selbst um den Bau von Brutzellen und deren Verproviantierung mit Nektar und Pollen, sondern schmarotzen bei anderen Wildbienenarten.

Die Filzbienenarten auf einen Blick auseinander zu halten ist nicht ganz leicht, da sich die wenigen in Deutschland lebenden Filzbienenarten sehr ähnlich sehen. Generell aber kann man Filzbienen als solche leicht erkennen. Sie machen einen recht bunten Eindruck, haben zusätzlich zur schwarzen Grundfarbe, weiße, beige-gelbe und rote Stellen. Außerdem ist der Körper einer Filzbiene eher breit und kurz und wirkt recht knubbelig, wobei sie trotzdem elegant wirken, da sie nur ganz kurz und spärlich behaart sind. Den Namen Filzbienen tragen sie übrigens nicht von ungefähr: die weißen Binden und Flecken auf ihrem Hinterleib werden von solch kurzen Haaren gebildet, dass diese wirken, als würden die Bienen in Filz eingekleidet sein.

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Die Filzbiene Epeolus variegatus – eine bunte Erscheinung.

 

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Filzbiene Epeolus variegatus. Gut zu erkennen sind die hellen Filzflecken auf dem Hinterleib.

 

Das Filzbienen-Weibchen, das ich neben der Seidenbiene aus dem letzten Beitrag ebenfalls auf Rainfarn gefunden habe, ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit Epeolus variegatus (leider hat sie bisher keinen offiziellen Deutschen Namen bekommen). Obwohl auch sie recht selten ist, ist sie doch noch immer die häufigste einheimische Filzbiene. Zudem legt sie ihre Eier am liebsten in Nester der Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) oder der Gemeinen Seidenbiene (Colletes daviesanus). Wenn man nun weiß, dass sich die Filzbiene gern genau dort zum fressen aufhält, wo sich auch ihre Wirtsbienen aufhalten, kann man leicht eine Vermutung haben zu welcher Art die Filzbiene gehört.

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Die Filzbiene Epeolus variegatus trinkt den Nektar von Rainfarn (Tanacetum vulgare) genauso gern, wie ihre Wirte, die Seidenbienenarten Colletes similis und Colletes daviesanus.

 

Aber ich habe vor kurzem eine interessante Beobachtung gemacht:
Ein Filzbienen-Weibchen patrouillierte immer wieder an den Nestern der Hosenbienen-Kolonie. Diese Kolonie habe ich ja über den Sommer eine sehr lange Zeit beobachtet und konnte dementsprechend viele Vorgänge, die ums Nest herum passierten unter die Lupe nehmen. Es ist eigentlich nicht bekannt, dass Filzbienen ihre Eier in Nester der Hosenbienen legen. Aber was wollten die Filzbienen dann dort? Sie flogen nur wenige Zentimeter hoch über dem Boden. Ganz so als wollten sie etwas ausspähen. Über viele Tage habe ich dieses Verhalten beobachten können. Wirklich an einen Nesteingang herangetraut hat sich aber keine der Filzbienen. Da sich die sogenannten Kuckucksbienen nicht nur über ihre Augen, sondern zum Großteil auch über ihr Antennen, mit denen sie riechen können, orientieren, konnten sie vielleicht erriechen, dass es sich bei den Hosenbienen-Nestern nicht um den richtigen Platz zur Eiablage handelt. Doch die Nesteingänge sehen denen von Seidenbienen durchaus ähnlich. Es könnte also sein, dass es sich für die Schmarotzer durchaus gelohnt hat einmal einen genaueren Blick auf die Nesteingänge zu werfen. Immerhin haben sie keine Arbeit mit dem Nestbau oder dem Sammeln von Pollen und Nektar. Da kann man schon einmal ein wenig mehr Zeit dafür aufbringen nach dem geeigneten Nest für den eigenen Nachwuchs zu suchen.

Alle lieben Rainfarn, vor allem die Rainfarn Seidenbiene Colletes similis

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Vielerorts blüht er im Moment, der Rainfarn (Tanacetum vulgare). An Straßenrändern, Autobahnen und Böschungen. Überall dort, wo ausreichend Nährstoffe im Boden sind, bildet er (oftmals große) Vorkommen und leuchtet in knalligem Gelb. Es ist eine der Pflanzenarten, die im Spätsommer noch Pollen und Nektar für viele Wildbienen liefert. Deshalb sollte man gerade hier einmal die Augen offen halten. Jetzt, am Ende des Sommers, versammeln sich die letzten Blütenbesucher an den noch verbliebenen Blüten und lassen sich hier beim Sammeln von Pollen und auch beim Nektartrinken gut beobachten.

Eine von ihnen ist die Wildbiene Colletes similis, eine seltene Vertreterin der Gruppe der Seidenbienen.

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(Wahrscheinlich) Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) beim Nektartrinken auf Rainfarn (Tanacetum vurlgare)

 

Ich hatte die Gelegenheit sie in einem relativ großen Rainfarn-Feld in mitten der Kiesgrube zu beobachten. Da sie sowohl in Bezug auf ihre bevorzugten Pollenquellen, als auch in Bezug auf die von ihr ausgewählten Nistplätze, sehr eigen ist, ist ein Ort, wie die Kiesgrube sie darstellt ein guter Platz, um sie anzutreffen.

Durch ihre auffällige Gestalt ist sie fast nicht zu übersehen. Mit einer Körpergröße von 9 – 11 mm etwas kleiner als eine Honigbiene gehört sie zwar nicht zu den Größten, lässt sich aber doch gut auf den kleinen, gelben Rainfarn Blüten erkennen. Typisch für diese Seidenbienenart sind die breiten, gelblich-beigen, filzig wirkenden Binden auf dem Hinterleib. Einzig die Gemeine Seidenbiene (Colletes daviesanus), die zudem deutlich häufiger ist, kann leicht mit ihr verwechselt werden. Diese beiden Arten lassen sich auf den ersten Blick im Feld tatsächlich nicht voneinander unterscheiden. Dazu muss man sie genauer unter die Lupe nehmen…

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Sowohl die Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) als auch die Gemeine Seidenbiene (Colletes daviesanus) besitzt auf ihrem Hinterleib breite, beige Binden, wodurch die eindeutige Identifikation nicht auf den ersten Blick möglich ist.

 

Sowohl Colletes daviesanus als auch Colletes similis trifft man zurzeit auf Rainfarn an. Beide Arten gehören zur Gruppe der oligolektischen Wildbienen. Das heißt, sie sammeln Pollen nur auf ausgewählten Pflanzenarten. Zumeist gehören diese Pflanzen zur selben Gattung oder zumindest zur selben Familie. Wie bei der schon in einem der letzten Beiträge vorgestellten Hosenbiene Dasypoda hirtipes, sammeln die Seidenbienen-Weibchen von Colletes daviesanus und Colletes similis ihren Pollen ausschließlich auf Korbblütlern (Asteraceen). Zu denen zählt der derzeit blühende Rainfarn. Da die Rainfarn Seidenbiene nun erst so spät im Sommer ausfliegt, ist der Rainfarn eine ihrer beliebtesten Pollenquellen und damit auch gleichzeitig ihr Namensgeber. Übrigens im Gegensatz zum Pollensammelverhalten, sind bislang keine Spezialisierungen in Bezug auf das Sammeln von Nektar bekannt. Demnach können sich auch die oligolektischen Pollenspezialisten auf allerlei verschiedenen Blüten stärken und Nektar für ihren Nachwuchs mitnehmen.

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Vermutlich ein Rainfarn Seidenbienen-Weibchen (Colletes similis) auf Rainfarn. Ein Männchen habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen.

 

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Das selbe Seidenbienen-Weibchen auf der weiteren Suche nach noch mit Nektar gefüllten Rainfarn-Blüten.

Eins haben alle Seidenbienen-Weibchen gemeinsam: ihren spitzen Hinterleib. Hieran ist ihre Gattungszugehörigkeit leicht feststellen.

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Das Seidenbienen Weibchen drehte sich so, dass ihr spitz zulaufender Hinterleib nicht zu übersehen war.

 

Außerdem nisten alle Seidenbienenarten in selbst gegrabenen Nestern in der Erde. Entweder in horizontalen Bodenflächen, sandig-lehmigen Steilwänden oder schütter bis nicht bewachsenen Böschungen. Manchmal findet man sogar eine regelrechte Ansammlung von Seidenbienen, die viele dutzend Nester umfassen kann. Da jedes Weibchen ein eigenes Nest baut, werden diese dann oft dicht beieinander, im Abstand von nur wenigen Zentimetern, angelegt.

Übrigens, ihren Namen tragen Seidenbienen aufgrund der Eigenart ihre Brutzellen speziell zu verkleiden: Mit einem speziellen Sekret verputzen sie die Zellwände von innen, um zu verhindern, dass Krankheitserreger, wie Bakterien, Pilze oder andere Eindringlinge dem Ei, und später der Larve, zu nah kommen. Wenn dieses Sekret dann aushärtet bekommt es eine seidig, colphanartige Struktur.

 

Großer Aufwand für den Nachwuchs bei den Blattschneiderbienen

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Blattschneiderbienen, die man jetzt im Spätsommer auch im eigenen Garten zu Gesicht bekommen kann, sind wirklich etwas Besonderes – nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch aufgrund ihres charakteristischen Nistverhaltens. Denn für ihren Nachwuchs sorgen die Blattschneiderbienen auf spezielle Art und Weise…

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Typische Haltung: Blattschneiderbienen Weibchen sammelt Pollen und Nektar auf einer Distelblüte und drückt dabei den Hinterleib nach oben

 

Ihren Namen verdanken Blattschneiderbienen einem typischen Merkmal: sie zerschneiden Blätter, um damit die Bruthöhle für den Nachwuchs auszukleiden. Hierzu besitzen sie extrem große, massive Mundwerkzeuge (Mandibeln), die speziell auf das Schneiden von Pflanzenmaterial angepasst sind. Sie beißen bzw. schneiden zumeist ovale bis kreisrunde Stücke von der Außenkante der Blätter ab, indem sie sich mit ihren Hinterbeinen am Blatt festhalten und sich in einem Bogen um ihre eigene Achse bewegen. Die ausgebissenen Blattstücke transportieren sie dann zusammengerollt unter ihrem Körper zu Nest, wo sie es für den „Innenausbau“ der Brutzelle benötigen. Der Transport ist wirklich beeindruckend. Denn bevor das Blattstück transportiert werden kann, wird es ähnlich einer Zigarre locker zusammengerollt und dann, festgehalten von den großen Mundwerkzeugen und oftmals auch umklammert von allen sechs Beinen zum Nest transportiert.

Ihre Brutzellen legen Blattschneiderbienen zumeist in schon vorhanden linearen Hohlräumen an. Es kann aber auch durchaus vorkommen, dass die Weibchen sich selbst einen Hohlraum in morsches Totholz oder trockene Stängel von zum Beispiel Brombeere oder Königskerze nagen; stark genug sind ihre Mandibeln dafür. Das ausgeschnittene Blattstück wird dann,  bevor die Brutzelle mit einem Nektar-Pollen-Gemisch verproviantiert wird, wie eine Tapete an die Innenwand angebracht und als Teppich auf dem Boden der Brutzelle ausgelegt.

Das Blattschneiderbienen-Weibchen hat somit also einen zusätzlichen Aufwand: Sie muss nicht nur Pollen und Nektar für den Nachwuchs sammeln, sondern benötigt auch noch entsprechendes Pflanzenmaterial für die Inneneinrichtung ihrer Brutkammern. Doch die zunächst sehr aufwändig wirkende Arbeit lohnt sich. Die Blätter nämlich helfen ein Eindringen von Pilzen und Bakterien in die Brutzelle zu verhindern und schützen somit das Ei und später die Larve.

Das äußere Erscheinungsbild von Blattschneiderbienen weißt noch ein zusätzliches, besonderes und durchaus lutiges Merkmal auf: Die Weibchen sammeln den Pollen für den Larvenproviant mit Hilfe dichter Haarstrukturen unter ihrem Hinterleib. Dazu krümmen sie ihren Hinterleib (ihr Abdomen) oftmals stark nach oben und nehmen eine charakteristische Haltung ein, an der man sie dann gut erkennen kann.

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Blattschneiderbienen Weibchen hat ihre Bauchbürste (Haarstruktur unter dem Hinterleib) voller Pollen.

 

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Das Distel-Blütenköpfchen war offenbar so ergiebig, dass sich das Balttschneiderbienen Weibchen ziemlich lange hier aufhielt.

 

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Blattschneiderbienen Weibchen sucht nach Nektar in den langen Distelblüten.

 

Das Blattschneiderbienen Weibchen, dass ich hier an einem großen Distelvorkommen beobachten konnte, hat sich hier sehr lange aufgehalten. Sie hat sowohl Pollen gesammelt, als auch Nektar getrunken. Hierzu hat sie lediglich immer wieder die selben drei Distel-Blütenköpfchen angeflogen, offenbar war hier das Nektarangebot (oder auch Pollenagebot) besonders ergiebig. Selbst, als eine Hummel vorbei kam, ließ sich das Blattschneiderbienen Weibchen nicht aus der Ruhe bringen:

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Ackerhummel (Bombus pascuorum) im Anflug. Das Blattschneiderbienen Weibchen ließ sich aber nicht beirren und suchte weiterhin nach geeigneten Blütenröhren, an denen sie Nektar trinken konnte.