Warum Wildbienen

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Nun gab es schon eine ganze Weile keine Wildbienen-Neuigkeiten mehr… Naja, jetzt ist natürlich auch nicht mehr so viel los im Wildbienenleben – zumindest bei den meisten. Die ein oder andere Hummel konnte man bei den warmen Temperaturen ja hin und wieder noch beobachten. Trotzdem gibt es nicht wirklich viel neues zu berichten, weshalb es heute um einige grundlegende Dinge gehen soll:

Die Frage stellt sich nämlich vielleicht nicht bloß mir von Zeit zu Zeit, wie man auf die Idee kommt sich intensiver mit der Welt der Wildbienen zu beschäftigen. Klar, jeder hat sein Lieblingstier. Aber warum Wildbienen? Man kann sie nicht als Haustier in der Wohnung halten… Man kann sie nicht streicheln… Füttern kann man sie auch nicht direkt! Also was macht Wildbienen trotz alledem zu geeigneten und liebenswerten Lieblingstieren mit denen es nie langweilig wird? Hier eine Auswahl von Begeisterungsfaktoren:

Erstens: Immer da! Wer sich für Wildbienen interessiert, hat (zumindest im Frühling, Sommer und zu Anfang des Herbsts) jederzeit die Gelegenheit sie zu sehen. Ob im eigenen Garten, im Park nebenan, entlang von Feldwegen oder auch am Waldrand – irgendeine Wildbienenart lässt sich bei genauerem Hinsehen immer entdecken und bei eifrigem geschäftig sein beobachten, sei es beim Sammeln von Nektar und Pollen, beim Nestbau, oder beim Heranschaffen von passendem Nistmaterial.

Zweitens: Als Landschafts-Architekten und Gärtner sind sie Maßgeblich an der Gestaltung unserer Umgebung beteiligt, denn durch die Bestäubung von Blütenpflanzen leisten Wildbienen zur Fortpflanzung und Verbreitung von vielen Wild- genauso wie Kulturpflanzen einen wichtigen Beitrag. Somit sind sie regelrechte Süßigkeiten-Manufakteure! Ohne sie wäre unser Speiseplan wohl um viele süße Früchte und andere Leckereien ärmer.

A.haemorrhoa
Eine Sandbiene (Andrena haemorrhoa) bestäubt eine Apfelblüte.

 

Drittens: Wildbienen sind zudem gleichzeitig Stollengräber und Statiker, Töpfer und Schreiner. Um ihre eigene Fortpflanzung zu gewährleisten müssen sie zunächst aufwendige Nestbau-Arbeiten leisten, sei es, wie bei der Braunbürstigen Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) bis zu 70 cm tief in der Erde, wie bei den Furchen- und Schmalbienen (Halictus und Lasioglossum sp.), die gemeinschaftlich unterirdische Tunnel und Kammern anlegen, wie bei der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) die jede ihrer Brutzellen mit einer Art Zementwand von der nächsten trennt, oder wie bei der Holzbiene (Xylocopa violacea), die sich erst einmal eigene Hohlräume in Totholz nagen muss, um dort ihre Eier ablegen zu können. Zusätzlich spielt auch Recycling im Leben vieler Wildbienen eine große Rolle. So nutzen viele Wildbienenmütter, wie Mauerbienen (Osmia sp.) und Keulhornbienen (Ceratina sp.), alte Käferfraßgänge und abgestorbene Pflanzenstengel zur Anlage ihrer Brutzellen, wodurch eigentlich schon ge- bzw. verbrauchte Strukturen einen neuen Wert erlangen.

Hosenbienenweibchen buddelt an Nest
Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) beim Anlegen ihres unterirdischen Nests.
Hosenbienenweibchen in Nesteingang
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) in ihrem Nesteingang.
Lasioglossum kommt heim
Ein Schmalbienenweibchen (Lasioglossum calceatum) auf dem Weg ins Nest.
Lasioglossum kommt aus Nest1
Ein Schmalbienenweibchen (Lasioglossum calceatum) kommt aus dem Schornstein- Ausgang.
Osmia cornuta_ Brutzellen mit Ei
Mit Sandmörtel voneinander getrennte Brutzellen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). Im jeweils hinteren Teil der Brutzellen erkennt man das Pollen-Nektar-Gemisch und die reiskornförmigen Eier.

 

Viertens: Des weiteren betätigen sich einige Wildbienen als Schneider, Tapezierer und Innenarchitekten. Nicht selten beobachtet man im Hochsommer Blätter an denen kreisrund ausgeschnittene Stücke fehlen. Akkurat ausgeschnittene Blätter deuten auf die Aktivität von Blattschneiderbienen (Megachile sp.)  hin, die mit ihren starken Mundwerkzeugen Blattstückchen zurecht schneiden, mit denen die Innenwände ihrer Brutzellen verkleidet werden.

Fünftens: Zu guter Letzt muss aber auch ein kurzer Blick auf die blinden Passagiere unter den Wildbienen geworfen werden. So schmarotzen einige Arten, wie beispielsweise Wespenbienen (Nomada sp.), Filzbienen (Epeolus sp.) und Blutbienen (Sphecodes sp.) schlicht bei anderen Wildbienenmüttern, die bereits mühevoll Brutzellen angelegt und Pollen und Nektar eingetragen haben. Dadurch profitieren sie von der Arbeit der anderen ohne selbst viel Arbeit investieren zu müssen. Aber auch, wenn diese Wildbienenarten in unserem Empfinden wenig sympathisch wirken, so gehören sie doch dazu und sind kein Faktor der den selbstarbeitenden Wildbienen arg zusetzen würde. …Und für uns als Wildbienen-Beobachter tragen sie zu dazu bei, dass es immer wieder neue, spannende Dinge zu beobachten und zu berrichten gibt.

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Filzbiene (Epeolus variegatus)
Blutbiene
Blutbiene (Sphecodes sp.).
Nomada Maennchen
Wespenbiene (Nomada lathburiana).