Warum Wildbienen

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Nun gab es schon eine ganze Weile keine Wildbienen-Neuigkeiten mehr… Naja, jetzt ist natürlich auch nicht mehr so viel los im Wildbienenleben – zumindest bei den meisten. Die ein oder andere Hummel konnte man bei den warmen Temperaturen ja hin und wieder noch beobachten. Trotzdem gibt es nicht wirklich viel neues zu berichten, weshalb es heute um einige grundlegende Dinge gehen soll:

Die Frage stellt sich nämlich vielleicht nicht bloß mir von Zeit zu Zeit, wie man auf die Idee kommt sich intensiver mit der Welt der Wildbienen zu beschäftigen. Klar, jeder hat sein Lieblingstier. Aber warum Wildbienen? Man kann sie nicht als Haustier in der Wohnung halten… Man kann sie nicht streicheln… Füttern kann man sie auch nicht direkt! Also was macht Wildbienen trotz alledem zu geeigneten und liebenswerten Lieblingstieren mit denen es nie langweilig wird? Hier eine Auswahl von Begeisterungsfaktoren:

Erstens: Immer da! Wer sich für Wildbienen interessiert, hat (zumindest im Frühling, Sommer und zu Anfang des Herbsts) jederzeit die Gelegenheit sie zu sehen. Ob im eigenen Garten, im Park nebenan, entlang von Feldwegen oder auch am Waldrand – irgendeine Wildbienenart lässt sich bei genauerem Hinsehen immer entdecken und bei eifrigem geschäftig sein beobachten, sei es beim Sammeln von Nektar und Pollen, beim Nestbau, oder beim Heranschaffen von passendem Nistmaterial.

Zweitens: Als Landschafts-Architekten und Gärtner sind sie Maßgeblich an der Gestaltung unserer Umgebung beteiligt, denn durch die Bestäubung von Blütenpflanzen leisten Wildbienen zur Fortpflanzung und Verbreitung von vielen Wild- genauso wie Kulturpflanzen einen wichtigen Beitrag. Somit sind sie regelrechte Süßigkeiten-Manufakteure! Ohne sie wäre unser Speiseplan wohl um viele süße Früchte und andere Leckereien ärmer.

A.haemorrhoa
Eine Sandbiene (Andrena haemorrhoa) bestäubt eine Apfelblüte.

 

Drittens: Wildbienen sind zudem gleichzeitig Stollengräber und Statiker, Töpfer und Schreiner. Um ihre eigene Fortpflanzung zu gewährleisten müssen sie zunächst aufwendige Nestbau-Arbeiten leisten, sei es, wie bei der Braunbürstigen Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) bis zu 70 cm tief in der Erde, wie bei den Furchen- und Schmalbienen (Halictus und Lasioglossum sp.), die gemeinschaftlich unterirdische Tunnel und Kammern anlegen, wie bei der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) die jede ihrer Brutzellen mit einer Art Zementwand von der nächsten trennt, oder wie bei der Holzbiene (Xylocopa violacea), die sich erst einmal eigene Hohlräume in Totholz nagen muss, um dort ihre Eier ablegen zu können. Zusätzlich spielt auch Recycling im Leben vieler Wildbienen eine große Rolle. So nutzen viele Wildbienenmütter, wie Mauerbienen (Osmia sp.) und Keulhornbienen (Ceratina sp.), alte Käferfraßgänge und abgestorbene Pflanzenstengel zur Anlage ihrer Brutzellen, wodurch eigentlich schon ge- bzw. verbrauchte Strukturen einen neuen Wert erlangen.

Hosenbienenweibchen buddelt an Nest
Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) beim Anlegen ihres unterirdischen Nests.
Hosenbienenweibchen in Nesteingang
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) in ihrem Nesteingang.
Lasioglossum kommt heim
Ein Schmalbienenweibchen (Lasioglossum calceatum) auf dem Weg ins Nest.
Lasioglossum kommt aus Nest1
Ein Schmalbienenweibchen (Lasioglossum calceatum) kommt aus dem Schornstein- Ausgang.
Osmia cornuta_ Brutzellen mit Ei
Mit Sandmörtel voneinander getrennte Brutzellen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). Im jeweils hinteren Teil der Brutzellen erkennt man das Pollen-Nektar-Gemisch und die reiskornförmigen Eier.

 

Viertens: Des weiteren betätigen sich einige Wildbienen als Schneider, Tapezierer und Innenarchitekten. Nicht selten beobachtet man im Hochsommer Blätter an denen kreisrund ausgeschnittene Stücke fehlen. Akkurat ausgeschnittene Blätter deuten auf die Aktivität von Blattschneiderbienen (Megachile sp.)  hin, die mit ihren starken Mundwerkzeugen Blattstückchen zurecht schneiden, mit denen die Innenwände ihrer Brutzellen verkleidet werden.

Fünftens: Zu guter Letzt muss aber auch ein kurzer Blick auf die blinden Passagiere unter den Wildbienen geworfen werden. So schmarotzen einige Arten, wie beispielsweise Wespenbienen (Nomada sp.), Filzbienen (Epeolus sp.) und Blutbienen (Sphecodes sp.) schlicht bei anderen Wildbienenmüttern, die bereits mühevoll Brutzellen angelegt und Pollen und Nektar eingetragen haben. Dadurch profitieren sie von der Arbeit der anderen ohne selbst viel Arbeit investieren zu müssen. Aber auch, wenn diese Wildbienenarten in unserem Empfinden wenig sympathisch wirken, so gehören sie doch dazu und sind kein Faktor der den selbstarbeitenden Wildbienen arg zusetzen würde. …Und für uns als Wildbienen-Beobachter tragen sie zu dazu bei, dass es immer wieder neue, spannende Dinge zu beobachten und zu berrichten gibt.

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Filzbiene (Epeolus variegatus)
Blutbiene
Blutbiene (Sphecodes sp.).
Nomada Maennchen
Wespenbiene (Nomada lathburiana).

 

 

 

Herbstvorbotin – die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae)

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Nun geht es mit großen Schritten auf die kalte Jahreszeit zu. Und auch das Bienenjahr neigt sich dem Ende entgegen.

Aber eine Geschichte habe ich noch, über eine Vorbotin des Herbsts: die Efeu-Seidenbiene, Colletes hederae.

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Ein Efeu-Seidenbienen Weibchen (Colletes hederae). Gut zu erkennen sind die sehr breiten beige-farbenen Hinterleibsbinden.

 

Wie ihr Name schon vermuten lässt, ist sie besonders auf die Blüten des Efeus aus. Dieser blüht im Spätsommer und Herbst, sodass die Efeu-Seidenbienen erst zu dieser späten Zeit im Bienenjahr schlüpfen und aktiv werden. Die Efeu-Seidenbienen sind gut an ihrer seidenbienen-typischen Körperform und Färbung zu erkennen. Sie besitzen einen spitz zulaufenden Hinterleib und sehr breite, beige- bis ockerfarbene Binden auf ihrem Hinterleib. Ihre Größe ist vergleichbar mit der von Honigbienen. Da auch diese noch spät im Sommer und Herbst fliegen, kann es hier schon einmal zu Verwechslungen kommen. Schaut man aber genauer hin, ist das Efeu-Seidenbienen Weibchen etwas kräftiger und die Binden auf ihrem Hinterleib sind sehr viel deutlicher, als bei der Honigbiene.

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Ein Efeu-Seidenbienen Weibchen (Colletes hederae). Kurze Pause, bevor der Pollen, der an den Hinterbeinen gesammelt wird, in die Brutzelle gebracht wird. Auch der Hinterleib ist mit Pollen bedeckt.

 

Nah ran zu gehen, um die Bienen genauer unter die Lupe zu nehmen, ist übrigens auch bei dieser Wildbienenart kein Problem. An einer Nestansammlung von Colletes hederae habe ich mich ganz nah ran gesetzt, um die Weibchen an ihren Nestern beobachten und fotografieren zu können. Aber aus der Ruhe bringen ließ sich keine von ihnen. Ganz im Gegenteil! Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt den geeigneten Standort für ihr Nest zu finden, sich zu paaren (oder sich die extrem aufdringlichen Männchen vom Leib zu halten) oder die schon vorhandene Niströhre auszubauen und in Schuss zu halten. Schließlich kam dann aber doch noch ein Seidenbienen Weibchen vorbei. Es hatte sich gerade gepaart und ließ sich auf meiner Hand nieder, putze sich, saß eine Zeitlang da und flog schließlich los, um ein Nest zu buddeln.

Efeu-Seidenbienen nisten nämlich, wie es sich für die Gruppe der Seidenbienen gehört, ebenfalls im Boden. Am liebsten nutzen sie hierfür schräge Lößabbruchkanten. Es reicht aber auch eine Aufschüttung von Lößsand, an dessen Böschung sie ihre Nester anlegen können. So ist die Nestansammlung an der ich die Efeu-Seidenbienen beobachten konnte, nicht größer als zehn Quadratmeter, beheimatet aber nichtsdestotrotz mehr als hundert Efeu-Seidenbienen Nester.

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Löß Hügel. Bei genauem Hinsehen entdeckt man dutzende kleiner Nesteingänge der Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae).
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Ein Efeu-Seidenbienen Männchen (Colletes hederae) inspiziert einen Nesteingang. Die Männchen sind viel kleiner als die Weibchen und besitzen lange Antennen.

 

Die Männchen schlüpfen bei dieser Art früher als die Weibchen und patrouillieren dann über den Nestern, um nicht zu verpassen, wenn die ersten Weibchen schlüpfen und diese direkt zur Paarung abzufangen. Zu diesem Zeitpunkt schwirrte die Luft über dem kleinen Löß-Hügel nur so vor Efeu-Seidenbienen. Hunderte Männchen und die sich deutlich in der Minderheit befindenden Weibchen flogen hier herum. Die Männchen kämpften regelrecht um die Weibchen, und die Weibchen, einmal verpaart, suchten nach passenden Nistmöglichkeiten und warteten auf die Efeublüte. Denn den Pollen der Efeublüten benötigen sie zur Versorgung des Nachwuchses. Sie nutzen fast ausschließlich den Pollen des Efeus, um ihn als Proviant für die Larven in die Brutzellen zu packen. Zusätzlich bietet die Efeublüte einen weiteren Vorteil: da der Nektar relativ offen zugänglich ist, haben die kurz-zungigen Seidenbienen keine Mühe an den Nektar zu gelangen und können hier sowohl Pollen sammeln als auch gleichzeitig Nektar aufnehmen.

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Ein Efeu-Seidenbienen Weibchen (Colletes hederae) sitzt in ihrem Nesteingang, um zum nächsten Pollensammel-Flug aufzubrechen.
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Das selbe Weibchen (Colletes hederae). Ein kurzer Blick zurück zum Nesteingang. Ist alles in Ordnung kann sie sich vom Nest entfernen.

 

Filzbienen (Epeolus) profitieren von der Arbeit der Rainfarn Seidenbiene

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Letzte Woche hatte ich ja über die Seidenbienen berichtet. Diese Woche will ich euch eine Gruppe von Bienen vorstellen, die sehr vom Fleiß der Seidenbienen profitieren: die Filzbienen (ihr lateinischer Gattungsname ist Epeolus).

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Die Filzbiene Epeolus variegatus trinkt den Nektar einer Rainfarn-Blüte (Tanacetum vulgare)

Filzbienen sind, wie die Wespenbienen über die ich ganz zu Anfang einmal berichtet hatte, sogenannte Schmarotzerbienen. Das heißt, als parasitäre Arten kümmern sie sich nicht selbst um den Bau von Brutzellen und deren Verproviantierung mit Nektar und Pollen, sondern schmarotzen bei anderen Wildbienenarten.

Die Filzbienenarten auf einen Blick auseinander zu halten ist nicht ganz leicht, da sich die wenigen in Deutschland lebenden Filzbienenarten sehr ähnlich sehen. Generell aber kann man Filzbienen als solche leicht erkennen. Sie machen einen recht bunten Eindruck, haben zusätzlich zur schwarzen Grundfarbe, weiße, beige-gelbe und rote Stellen. Außerdem ist der Körper einer Filzbiene eher breit und kurz und wirkt recht knubbelig, wobei sie trotzdem elegant wirken, da sie nur ganz kurz und spärlich behaart sind. Den Namen Filzbienen tragen sie übrigens nicht von ungefähr: die weißen Binden und Flecken auf ihrem Hinterleib werden von solch kurzen Haaren gebildet, dass diese wirken, als würden die Bienen in Filz eingekleidet sein.

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Die Filzbiene Epeolus variegatus – eine bunte Erscheinung.

 

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Filzbiene Epeolus variegatus. Gut zu erkennen sind die hellen Filzflecken auf dem Hinterleib.

 

Das Filzbienen-Weibchen, das ich neben der Seidenbiene aus dem letzten Beitrag ebenfalls auf Rainfarn gefunden habe, ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit Epeolus variegatus (leider hat sie bisher keinen offiziellen Deutschen Namen bekommen). Obwohl auch sie recht selten ist, ist sie doch noch immer die häufigste einheimische Filzbiene. Zudem legt sie ihre Eier am liebsten in Nester der Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) oder der Gemeinen Seidenbiene (Colletes daviesanus). Wenn man nun weiß, dass sich die Filzbiene gern genau dort zum fressen aufhält, wo sich auch ihre Wirtsbienen aufhalten, kann man leicht eine Vermutung haben zu welcher Art die Filzbiene gehört.

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Die Filzbiene Epeolus variegatus trinkt den Nektar von Rainfarn (Tanacetum vulgare) genauso gern, wie ihre Wirte, die Seidenbienenarten Colletes similis und Colletes daviesanus.

 

Aber ich habe vor kurzem eine interessante Beobachtung gemacht:
Ein Filzbienen-Weibchen patrouillierte immer wieder an den Nestern der Hosenbienen-Kolonie. Diese Kolonie habe ich ja über den Sommer eine sehr lange Zeit beobachtet und konnte dementsprechend viele Vorgänge, die ums Nest herum passierten unter die Lupe nehmen. Es ist eigentlich nicht bekannt, dass Filzbienen ihre Eier in Nester der Hosenbienen legen. Aber was wollten die Filzbienen dann dort? Sie flogen nur wenige Zentimeter hoch über dem Boden. Ganz so als wollten sie etwas ausspähen. Über viele Tage habe ich dieses Verhalten beobachten können. Wirklich an einen Nesteingang herangetraut hat sich aber keine der Filzbienen. Da sich die sogenannten Kuckucksbienen nicht nur über ihre Augen, sondern zum Großteil auch über ihr Antennen, mit denen sie riechen können, orientieren, konnten sie vielleicht erriechen, dass es sich bei den Hosenbienen-Nestern nicht um den richtigen Platz zur Eiablage handelt. Doch die Nesteingänge sehen denen von Seidenbienen durchaus ähnlich. Es könnte also sein, dass es sich für die Schmarotzer durchaus gelohnt hat einmal einen genaueren Blick auf die Nesteingänge zu werfen. Immerhin haben sie keine Arbeit mit dem Nestbau oder dem Sammeln von Pollen und Nektar. Da kann man schon einmal ein wenig mehr Zeit dafür aufbringen nach dem geeigneten Nest für den eigenen Nachwuchs zu suchen.

Alle lieben Rainfarn, vor allem die Rainfarn Seidenbiene Colletes similis

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Vielerorts blüht er im Moment, der Rainfarn (Tanacetum vulgare). An Straßenrändern, Autobahnen und Böschungen. Überall dort, wo ausreichend Nährstoffe im Boden sind, bildet er (oftmals große) Vorkommen und leuchtet in knalligem Gelb. Es ist eine der Pflanzenarten, die im Spätsommer noch Pollen und Nektar für viele Wildbienen liefert. Deshalb sollte man gerade hier einmal die Augen offen halten. Jetzt, am Ende des Sommers, versammeln sich die letzten Blütenbesucher an den noch verbliebenen Blüten und lassen sich hier beim Sammeln von Pollen und auch beim Nektartrinken gut beobachten.

Eine von ihnen ist die Wildbiene Colletes similis, eine seltene Vertreterin der Gruppe der Seidenbienen.

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(Wahrscheinlich) Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) beim Nektartrinken auf Rainfarn (Tanacetum vurlgare)

 

Ich hatte die Gelegenheit sie in einem relativ großen Rainfarn-Feld in mitten der Kiesgrube zu beobachten. Da sie sowohl in Bezug auf ihre bevorzugten Pollenquellen, als auch in Bezug auf die von ihr ausgewählten Nistplätze, sehr eigen ist, ist ein Ort, wie die Kiesgrube sie darstellt ein guter Platz, um sie anzutreffen.

Durch ihre auffällige Gestalt ist sie fast nicht zu übersehen. Mit einer Körpergröße von 9 – 11 mm etwas kleiner als eine Honigbiene gehört sie zwar nicht zu den Größten, lässt sich aber doch gut auf den kleinen, gelben Rainfarn Blüten erkennen. Typisch für diese Seidenbienenart sind die breiten, gelblich-beigen, filzig wirkenden Binden auf dem Hinterleib. Einzig die Gemeine Seidenbiene (Colletes daviesanus), die zudem deutlich häufiger ist, kann leicht mit ihr verwechselt werden. Diese beiden Arten lassen sich auf den ersten Blick im Feld tatsächlich nicht voneinander unterscheiden. Dazu muss man sie genauer unter die Lupe nehmen…

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Sowohl die Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) als auch die Gemeine Seidenbiene (Colletes daviesanus) besitzt auf ihrem Hinterleib breite, beige Binden, wodurch die eindeutige Identifikation nicht auf den ersten Blick möglich ist.

 

Sowohl Colletes daviesanus als auch Colletes similis trifft man zurzeit auf Rainfarn an. Beide Arten gehören zur Gruppe der oligolektischen Wildbienen. Das heißt, sie sammeln Pollen nur auf ausgewählten Pflanzenarten. Zumeist gehören diese Pflanzen zur selben Gattung oder zumindest zur selben Familie. Wie bei der schon in einem der letzten Beiträge vorgestellten Hosenbiene Dasypoda hirtipes, sammeln die Seidenbienen-Weibchen von Colletes daviesanus und Colletes similis ihren Pollen ausschließlich auf Korbblütlern (Asteraceen). Zu denen zählt der derzeit blühende Rainfarn. Da die Rainfarn Seidenbiene nun erst so spät im Sommer ausfliegt, ist der Rainfarn eine ihrer beliebtesten Pollenquellen und damit auch gleichzeitig ihr Namensgeber. Übrigens im Gegensatz zum Pollensammelverhalten, sind bislang keine Spezialisierungen in Bezug auf das Sammeln von Nektar bekannt. Demnach können sich auch die oligolektischen Pollenspezialisten auf allerlei verschiedenen Blüten stärken und Nektar für ihren Nachwuchs mitnehmen.

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Vermutlich ein Rainfarn Seidenbienen-Weibchen (Colletes similis) auf Rainfarn. Ein Männchen habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen.

 

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Das selbe Seidenbienen-Weibchen auf der weiteren Suche nach noch mit Nektar gefüllten Rainfarn-Blüten.

Eins haben alle Seidenbienen-Weibchen gemeinsam: ihren spitzen Hinterleib. Hieran ist ihre Gattungszugehörigkeit leicht feststellen.

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Das Seidenbienen Weibchen drehte sich so, dass ihr spitz zulaufender Hinterleib nicht zu übersehen war.

 

Außerdem nisten alle Seidenbienenarten in selbst gegrabenen Nestern in der Erde. Entweder in horizontalen Bodenflächen, sandig-lehmigen Steilwänden oder schütter bis nicht bewachsenen Böschungen. Manchmal findet man sogar eine regelrechte Ansammlung von Seidenbienen, die viele dutzend Nester umfassen kann. Da jedes Weibchen ein eigenes Nest baut, werden diese dann oft dicht beieinander, im Abstand von nur wenigen Zentimetern, angelegt.

Übrigens, ihren Namen tragen Seidenbienen aufgrund der Eigenart ihre Brutzellen speziell zu verkleiden: Mit einem speziellen Sekret verputzen sie die Zellwände von innen, um zu verhindern, dass Krankheitserreger, wie Bakterien, Pilze oder andere Eindringlinge dem Ei, und später der Larve, zu nah kommen. Wenn dieses Sekret dann aushärtet bekommt es eine seidig, colphanartige Struktur.

 

Großer Aufwand für den Nachwuchs bei den Blattschneiderbienen

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Blattschneiderbienen, die man jetzt im Spätsommer auch im eigenen Garten zu Gesicht bekommen kann, sind wirklich etwas Besonderes – nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch aufgrund ihres charakteristischen Nistverhaltens. Denn für ihren Nachwuchs sorgen die Blattschneiderbienen auf spezielle Art und Weise…

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Typische Haltung: Blattschneiderbienen Weibchen sammelt Pollen und Nektar auf einer Distelblüte und drückt dabei den Hinterleib nach oben

 

Ihren Namen verdanken Blattschneiderbienen einem typischen Merkmal: sie zerschneiden Blätter, um damit die Bruthöhle für den Nachwuchs auszukleiden. Hierzu besitzen sie extrem große, massive Mundwerkzeuge (Mandibeln), die speziell auf das Schneiden von Pflanzenmaterial angepasst sind. Sie beißen bzw. schneiden zumeist ovale bis kreisrunde Stücke von der Außenkante der Blätter ab, indem sie sich mit ihren Hinterbeinen am Blatt festhalten und sich in einem Bogen um ihre eigene Achse bewegen. Die ausgebissenen Blattstücke transportieren sie dann zusammengerollt unter ihrem Körper zu Nest, wo sie es für den „Innenausbau“ der Brutzelle benötigen. Der Transport ist wirklich beeindruckend. Denn bevor das Blattstück transportiert werden kann, wird es ähnlich einer Zigarre locker zusammengerollt und dann, festgehalten von den großen Mundwerkzeugen und oftmals auch umklammert von allen sechs Beinen zum Nest transportiert.

Ihre Brutzellen legen Blattschneiderbienen zumeist in schon vorhanden linearen Hohlräumen an. Es kann aber auch durchaus vorkommen, dass die Weibchen sich selbst einen Hohlraum in morsches Totholz oder trockene Stängel von zum Beispiel Brombeere oder Königskerze nagen; stark genug sind ihre Mandibeln dafür. Das ausgeschnittene Blattstück wird dann,  bevor die Brutzelle mit einem Nektar-Pollen-Gemisch verproviantiert wird, wie eine Tapete an die Innenwand angebracht und als Teppich auf dem Boden der Brutzelle ausgelegt.

Das Blattschneiderbienen-Weibchen hat somit also einen zusätzlichen Aufwand: Sie muss nicht nur Pollen und Nektar für den Nachwuchs sammeln, sondern benötigt auch noch entsprechendes Pflanzenmaterial für die Inneneinrichtung ihrer Brutkammern. Doch die zunächst sehr aufwändig wirkende Arbeit lohnt sich. Die Blätter nämlich helfen ein Eindringen von Pilzen und Bakterien in die Brutzelle zu verhindern und schützen somit das Ei und später die Larve.

Das äußere Erscheinungsbild von Blattschneiderbienen weißt noch ein zusätzliches, besonderes und durchaus lutiges Merkmal auf: Die Weibchen sammeln den Pollen für den Larvenproviant mit Hilfe dichter Haarstrukturen unter ihrem Hinterleib. Dazu krümmen sie ihren Hinterleib (ihr Abdomen) oftmals stark nach oben und nehmen eine charakteristische Haltung ein, an der man sie dann gut erkennen kann.

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Blattschneiderbienen Weibchen hat ihre Bauchbürste (Haarstruktur unter dem Hinterleib) voller Pollen.

 

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Das Distel-Blütenköpfchen war offenbar so ergiebig, dass sich das Balttschneiderbienen Weibchen ziemlich lange hier aufhielt.

 

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Blattschneiderbienen Weibchen sucht nach Nektar in den langen Distelblüten.

 

Das Blattschneiderbienen Weibchen, dass ich hier an einem großen Distelvorkommen beobachten konnte, hat sich hier sehr lange aufgehalten. Sie hat sowohl Pollen gesammelt, als auch Nektar getrunken. Hierzu hat sie lediglich immer wieder die selben drei Distel-Blütenköpfchen angeflogen, offenbar war hier das Nektarangebot (oder auch Pollenagebot) besonders ergiebig. Selbst, als eine Hummel vorbei kam, ließ sich das Blattschneiderbienen Weibchen nicht aus der Ruhe bringen:

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Ackerhummel (Bombus pascuorum) im Anflug. Das Blattschneiderbienen Weibchen ließ sich aber nicht beirren und suchte weiterhin nach geeigneten Blütenröhren, an denen sie Nektar trinken konnte.

Die Nektarräuberin

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Eigentlich gelten Bienen als eine der wichtigsten Bestäuber-Gruppen. Nicht nur für wilde Pflanzen, sondern auch, um Blüten für leckeres Obst und Gemüse zu bestäuben.

Doch manchmal sind auch die sonst so unermüdlich bestäubenden Bienen auf Betrug aus. Dann nämlich, wenn sie an den Nektar von Blüten herangelangen möchten, dessen Blütenkelch zu lang bzw. die Bienenzunge zu kurz ist.

Verschiedene Bienenarten besitzen verschieden lange Zungen. Nicht nur aufgrund ihrer Körpergröße, sondern auch aufgrund ihrer Gattungszugehörigkeit. So gibt es Gattungen von Wildbienen, wie z.B. die Maskenbienen, die eine sehr kurze Zunge besitzen und deshalb nur an bestimmten Blüten überhaupt Nektar trinken können.

Auch unter den verschiedenen Hummelarten gibt es solche mit langen und solche mit weniger langen Zungen. Zu den Arten mit einer kürzeren Zunge zählen z.B. die helle und dunkle Erdhummel (wie schon einmal beschrieben, sind diese beiden Arten äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden).

Erdhummel an Phacelia
Erdhummel (Bombus-terrestris-lucorum-Komplex) an Büschelschön (Phacelia tanacetifolia). Hier reicht die Länge ihrer Zunge vollkommen aus, um an den Nektar zu gelangen.

Und solch eine Erdhummel habe ich vor Kurzem bei einem Nektarraub erwischt.

Es war ein recht großes Weibchen, wahrscheinlich eine Jung-Königin, das an einer Blüte der Weißen Lichtnelke (Silene latifolia) nach Nektar suchte. Der Blütenkelch der Lichtnelke ist aber ziemlich lang, sodass die Erdhummel den Nektar auf die „normale“ Art und Weise nicht erreichen kann. Also biss sie kurzerhand ein Loch in den Grund des Kelches. Danach konnte sie ihre Zunge ganz einfach durch die Öffnung stecken und an den Nektar herangelangen.

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Lichtnelken-Blüte in die eine Erdhummel ein Loch in die Blütenbasis gebissen hat.
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Lichtnelken (Silene latifolia)

 

Gut für die Biene, aber für die Pflanze ein schlechtes Geschäft… Eigentlich ist es ja ein Geben und Nehmen. Die Biene bekommt Nektar und Pollen und die Pflanze wird bestäubt und kann somit Samen ausbilden, um sich fortzupflanzen. Beim Nektarraub allerdings fliegt die Biene lediglich von außen an die Blüte, ohne mit dem Pollen in Berührung zu kommen. Folglich nimmt die Biene keinen Pollen mit, wenn sie zur nächsten Blüte fliegt und es kommt zu keinerlei Bestäubung. Die Pflanze allerdings hat trotzdem hohe Kosten, denn sie muss erneut Energie aufwenden, um neuen Nektar zu produzieren.Aber sicherlich kommt früher oder später auch mal der ein oder andere Schmetterling oder ein anderes Insekt mit einer langen Zunge vorbei und erledigt die Bestäubung.

Das Aufbeißen des Blütenkelchs verläuft übrigens mit rasender Geschwindigkeit. Die von mir beobachtete Hummel hatte keinerlei Schwierigkeiten in Windeseile an den Nektar zu gelangen und schnell zur nächsten Blüte zu huschen. Leider hatte ich dadurch auch keine Chance schnell genug meine Kamera zu zücken, um ein Foto von der Aktion zu machen. Erst im Wegfliegen habe ich eine Aufnahme erhascht…

Nektardiebin flüchtet
Die Nektardiebin (Erdhummel, Bombus-terrestris-lucorum-Komplex) fliegt zur nächsten Blüte davon.

 

 

Alles anders bei den Furchenbienen…

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Unter den Wildbienen gibt es wirklich sehr viele unterschiedliche Lebenstrategien. Diese der Furchenbienen ist aber noch einmal ganz besonders, denn sie leben halb-sozial. Das heißt, nicht jedes Bienenweibchen kümmert sich ausschließlich um sich und den eigenen Nachwuchs, sondern es gibt eine Art Staat in dem ein Weibchen die Eier legt und andere die Brut versorgen, Nektar und Pollen sammeln gehen und auf das Volk aufpassen. Somit kommt es bei den Furchenbienen zu der, unter Wildbienen, recht ungewöhnlichen Situation, dass der Nachwuchs zur gleichen Zeit lebt, wie seine Mutter. Beim Großteil der Wildbienen sterben die Weibchen noch vor dem Winter, ihr Nachwuchs aber schlüpft erst im kommenden Jahr, sodass sich die Generationen nie begegenen.

Bei den halb-sozialen Furchenbienen ist das anders, denn sie überwintern nicht, wie die meisten anderen Wildbienen, als Larve oder Puppe, sondern als schon erwachsene Bienen. Sie sind noch in ihrem Geburtsjahr ausgeflogen, um sich zu verpaaren. Den Winter verbringen sie dann gemeinsam mit ihren ebenfalls verpaarten Schwestern im Nest ihrer Mutter, tief unter der Erde und warten darauf, dass das es im kommenden Frühjahr warm genug wird, um für eigenen Nachwuchs zu sorgen.

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Weibchen der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) an einer Ferkelkraut-Blüte
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Die Weibchen der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) haben sehr breite hell-gelbe bis beige Binden auf dem Hinterleib.
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Der Pollen wird mit Hilfe von speziellen Sammelhaaren an den Hinterbeinen gesammelt
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Um ausreichend Pollen zum Nest zurück zu bringen, fliegen die Weibchen viele Blüten pro Sammelflug an

Dies ist aber gar nicht so einfach. Denn im zeitigen Frühjahr geht es erst einmal darum, welches der Geschwister das konkurrenzstärkste ist. Nur dieses darf im angestammten Nest beginnen Eier zu legen. Die unterlegenen Schwestern helfen ihr vorerst bei der Brutpflege. Sie dürfen allerdings nur so lange im Nest bleiben, bis der erste Nachwuchs geschlüpft ist. Das dominante Weibchen beginnt nun nämlich ihre Schwestern zu vertreiben.

Da sie aber ja schon im vorigen Sommer ebenfalls begattet wurden ist es eher gut für sie, nun „eigenständig“ zu sein. Sie können anfangen selbst Eier zu legen!

…Wäre da nur nicht das Problem mit den eigenen vier Wänden. Da ihre Schwester das alte Nest der Mutter besetzt, müssen sich die anderen selbst etwas suchen. Ihren Ansprüchen genügen dabei in sandigem, lehmigen Boden liegende, verlassene Nester anderer Furchenbienenarten. Nur groß genug müssen sie sein. Oftmals bewohnen sie sogar ein Nest ganz in der Nähe zu denen der anderen Schwestern. Die vormals als Arbeiterinnen tätigen Bienenweibchen werden nun selbst zur Königin. Ihr zuerst geschlüpfter Nachwuchs kümmert sich forthin um die Ordnung im Staat. Sie fliegen aus, um Pollen und Nektar zu sammeln und kümmern sich um die Brut. Im Sommer schlüpft nun eine Generation von Weibchen, die ausfliegen, um sich mit den, ebenfalls zu dieser Zeit schlüpfenden Männchen zu verpaaren.

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Auch Wildbienen-Männchen brauchen Nektar… Hier ein Männchen der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae)
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Männchen der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) trinkt Nektar an einer Distel
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Furchenbienen-Männchen sind durch ihren langen, schmalen Körper gut von den Weibchen zu unterscheiden
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Männchen der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae). Gut erkennen an den breiten, hellen Hinterleibsbinden und dem für Furchenbienen-Männchen typischen langen, schmalen Körper

Die Männchen leben nur wenige Wochen. Im Herbst, wenn die Tage kühler werden und die begatteten Weibchen sich in ihre Erdnester zurück ziehen, sind die Männchen schon von der Bildfläche verschwunden und erst im folgenden Sommer werden wir wieder welche zu Gesicht bekommen.

Frühaufsteher mit hohen Ansprüchen – die Hosenbiene Dasypoda hirtipes

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Dasypoda hirtipes, die Braunbürstige Hosenbiene, ist wohl momentan eine der auffälligsten Erscheinungen, die wir in der Wildbienen Welt zu Gesicht bekommen – dort wo sie noch vorkommt…
Hosenbienenweibchen
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) mit den typischen Haarstrukturen an ihren Hinterbeinen, zum Sammeln von Pollen.
Hosenbienenmännchen auf Johanniskraut von vorn
Hosenbienenmännchen (Dasypoda hirtipes) auf Johanniskraut. Diese Pflanzen stehen in mitten der Nestansammlung, sodass die Männchen sich hier oft niederlassen, um auf vorbei kommende Weibchen zu warten.

Denn diese Wildbienenart gehört eher zu den Raritäten. Laut der Roten Liste für NRW gilt sie als „mäßig häufig“, doch kommt es darauf an, wo in NRW man nach ihr sucht. In vielen Gegenden kommt sie gar nicht vor.

Dies liegt daran, dass die Hosenbiene sowohl in Bezug auf ihr Nistverhalten, als auch in Bezug auf den von ihr bevorzugten Pollen, stark spezialisiert ist.

Ihre Nester buddeln die Hosenbienenweibchen am liebsten in sandigem, ebenen Boden, der am besten nur karg oder gar nicht bewachsen ist. Diese Vorraussetzungen finden sie heute z.B. in alten Kiesgruben oder auch an Bahndämmen, oder anderen ungenutzten Flächen, die den oben genannten Charakter aufweisen. Leider gibt es heutzutage nicht mehr allzu viele dieser Lebensräume, sodass die Hosenbienen immer weniger Platz zum Anlegen ihrer Nester finden.

Hosenbienenweibchen buddelt an Nest
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) buddelt an ihrem Nest. Links unten im Bild sieht man den Nesteingang, der sich in diesem Fall unter einem vertrockneten Ästchen befindet.

Aber dies ist eben leider nicht ihr einziges Problem. Außerdem nutzen sie nämlich nur wenige Pflanzenarten, an denen sie Pollen für den Nachwuchs sammeln. Diese Pflanzen kommen alle aus der Familie der Korbblütler (Asteraceen) und bilden innerhalb dieser Familie eine kleine Untergruppe. Zu den von den Hosenbienenweibchen bevorzugten Pollenquellen gehören beispielsweise Wegwarte (Cichorium intybus), Herbst Löwenzahn (Leontodon autumnalis), Wiesen Pippau (Crepis biennis) oder das Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata). Leider sind diese Pflanzen genauso wenig verbreitet, wie Dasypoda hirtipes selbst. Was bedeutet, dass die Weibchen, haben sie einmal einen geeigneten Nistplatz gefunden, oftmals weite Wege fliegen müssen, um den richtigen Pollen sammeln zu können. Viele von ihnen sind bis zu einer Stunde unterwegs, bis sie mit Pollen vollbeladen zu ihrem Nest zurückkehren.  …Aber es würde sich eben nicht anbieten mit solch ausladenden „Hosen“ an den Beinen die nächstbeste, wenig Platz bietende, Glockblumen-Blüte anzusteuern…

anfliegendes Hosenbienenweibchen
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) im Anflug auf eine Ferkelkraut Blüte (Hypochaeris radicata)

Wer also weiß, dass er Hosenbienen in der Nachbarschaft wohnen hat und die Möglichkeit hat im eigenen Garten oder auf dem Balkon passende Pflanzen anzubieten, hat sicherlich bald Besuch von einem wirklich netten Gast. Die Hosenbienen beim Pollensammeln zu beobachten ist ziemlich spannend. Im Gegensatz zur Hummel oder Honigbiene nämlich wendet sie eine komplett andere Technik an: sie setzt sich mitten auf die Blüte und dreht sich in rasend schnellem Tempo um die eigene Achse. Dabei bleibt der Pollen in ihren langen, bürstenartigen, Haaren an den Hinterbeinen hängen, sodass es schon bald so scheint, als hätte sie eine Art Haremshose an. Daher auch ihr Name: Die Haarstrukturen der weiblichen Tiere sehen aus, als würden sie wirklich eine Hose tragen. Eine Hose, die ihnen beim Sammeln von Pollen sehr hilfreich ist.

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Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) mit vollen Pollenhöschen
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) rastet auf einer Blüte des Gewöhnlichen Ferkelkrauts (Hypochaeris radicata)
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) rastet auf einer Blüte des Gewöhnlichen Ferkelkrauts (Hypochaeris radicata)

Aber es gibt noch eine weitere Besonderheit im Leben der Hosenbiene, denn sie ist ein wahrer Frühaufsteher unter den Wildbienen. Bei schönem, warmen Sommerwetter sind die Bienen bereits ab sieben Uhr morgens ‚auf den Beinen‘ – für uns Wildbienen-Beobachter eine ungewohnte Situation, kommen doch die meisten Arten erst zu einer etwas komfortableren Zeit aus ihren Nestern… Die Hosenbienen aber müssen recht früh aufstehen, damit sie genügend Pollen und Nektar für ihren Nachwuchs sammeln können, denn schon zur Mittagszeit machen sie wieder Feierabend. Dies liegt zum Teil daran, dass die besagten Pflanzen ihre Blüten nur vormittags öffnen und die Bienen somit nur dann die Möglichkeit haben auf Pollensammelflüge zu gehen.

Hosenbienenweibchen in Nesteingang
Hosenbienenweibchen (Dasypoda hirtipes) schaut am Morgen aus ihrem Nesteingang und wärmt sich auf.

Sie sind also in den Morgen- und Vormittagsstunden unermüdlich unterwegs, um so viele Blüten, wie möglich anzufliegen und dann, in einer zuvor ausgehöhlten Brutkammer, ein Pollen-Nektar-Gemisch zu deponieren, worauf dann ein Ei abgelegt wird.

Unermüdlich trifft allerdings nicht für alle Hosenbienen Individuen zu. Während meiner Beobachtungen an einer ziemlich großen Ansammlung von Hosenbienen-Nestern, habe ich zwar immer wieder gesehen, wie Weibchen mit dick bepackten „Hosen“ zurück kommen, keine Minute im Nest verschwinden und sich direkt wieder auf den Weg zu einem nächsten Sammelflug machen. Andere aber kommen nach einer gefühlten Ewigkeit zu ihrem Nest zurück (in der Zwischenzeit haben andere schon zwei-drei Sammelflüge hinter sich…) und bleiben dann auch erstmal eine ziemlich lange Zeit unter Tage. Manchmal flogen sie auch gar nicht mehr aus. Leider habe ich bisher noch nicht herausfinden können, woran genau dies liegt… Geben sie ihrem Nachwuchs weniger Nahrung mit auf den Weg ins Leben? Haben sie direkt beim ersten Sammelflug mehr Pollen mitgebracht? Oder handelt es sich vielleicht einfach um ältere Tiere, die nicht mehr soviel Energie haben? …Mal sehen, vielleicht lässt sich das ein oder andere ja während meinen Beobachtungen noch herausfinden! Ich halte euch auf dem Laufenden 😉

 

Was machen Wildbienen eigentlich, wenns regnet?

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…habt ihr euch schon einmal gefragt, wo sich eigentlich die ganzen Wildbienen, die wir bei schönem Wetter überall durch die Luft summen sehen, aufhalten wenn es regnet?

Gar nicht so einfach darauf eine passende Antwort zu finden, denn verschiedene Wildbienenarten trotzen dem schlechten Wetter auf ganz unterschiedliche Weise.

Da gibt es diejenigen, die eh schon einen Unterschlupf haben, in dem sie Zuflucht vor dem Regen suchen können. Andere hingegen harren an ihren Schlafplätzen aus, bis sich die Sonne wieder zeigt. Wieder andere, wie z.B. viele Hummelarten, aber auch die Schmal- und Furchenbienen haben das Glück in einer Gruppe zu leben, die ein großes gemeinschaftliches Nest besitzt, in dem es sich bei schlechtem Wetter aushalten lässt. Das bedeutet für uns, dass wir den Großteil der Wildbienen bei Regen oder kalten Temperaturen gar nicht zu Gesicht bekommen.

Viele Weibchen können Schutz in den für ihren Nachwuchs angelegten Nestern finden. Diese können zum Beispiel in Totholz in alten Käferfraßgängen angelegt sein, in abgestorbenen Pflanzenstängeln oder auch im Boden. Die im Boden lebenden Arten haben dann natürlich das Problem, dass ihre selbst gegrabenen Gänge bei starkem Regen zugeschwemmt werden. Klart es dann auf, ist erst einmal neu buddeln angesagt.

So ist es beispielsweise bei der Hosenbiene Dasypoda hirtipes. Die Nester werden in horizontalen, sandigen und vegetationsarmen Flächen angelegt. Dem Wetter sind sie also mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt.

Die Weibchen dieser Art haben es aber noch besser getroffen, als ihre Männer. Die Männchen müssen draußen bleiben und verharren stattdessen starr und triefend nass an Pflanzenstängeln und Blüten in der Nähe der Nester. Wird es nach einem Regenguss wieder wärmer, lassen sie sich von der Sonne trocknen und putzen ihren Körper, die Flügel und Antennen, damit sie wieder fliegen können, wenn auch die Weibchen wieder aus ihren Nestern klettern.

Hosenbienenmännchen bei regen
Hosenbienen-Männchen bei Regen
Hosenbienenmännchen gut vor regen geschützt
Ein Hosenbienen-Männchen hat sich einen guten Platz gesucht, um vor dem Regen geschützt zu sein. Nachdem der Regen aufhört, putzt es sich und lässt sich von der Sonne trocknen.

 

Die Hosenbienen-Männchen sind aber nicht die einzigen, denen es so ergeht. Auch einige Hummelarten müssen draußen im Nassen bleiben. Die sogenannten Schmarotzerhummeln- oder Kuckuckshummeln (vor kurzem habe ich schon einmal über diese Hummelgruppe berichtet) bilden keine eigenen Staaten, sondern schmuggeln sich bei anderen, sozialen Hummelarten, ihren Wirtshummelarten, mit ins Nest. Dort nutzen sie die schon vorhandene Neststruktur, um ihre eigenen Eier zu legen. Durch die recht schnelle Entwicklung des Kuckuckshummel-Nachwuchses, fliegen zu dieser Zeit im Sommer schon die ersten jungen Kuckuckshummeln aus den Wirtsnestern aus, um sich zu verpaaren. Während dieser Zeit bleiben sie außerhalb der Nester und suchen auch bei schlechtem Wetter keinen sicheren Unterschlupf, sondern warten in Blüten oder an andere Pflanzenteile geklammert einfach ab, bis sich die Wolken lichten. Hummeln sind jedoch aber auch recht unempfindlich gegenüber Kälte und schlechtem Wetter. Durch Muskelzittern können sie sich schnell wieder auf „Betriebstemperatur“ bringen und somit nach einem Regenguss schnell wieder munter von Blüte zu Blüte fliegen.

schmarotzerhummel im Regen
Schmarotzer- oder Kuckuckshummel trotzt dem Regen.

Übringens die sozialen Hummeln können auch bei Regen unterwegs sein, um Nektar und Pollen zu sammeln. Man sieht sie zwar nicht so häufig, wie bei sonnigem Wetter, aber die ein oder andere (in diesem Fall Ackerhummel, Bombus pascuorum) Arbeiterin lässt sich vom Regen offenbar nicht von ihrer Sammeltätigkeit abhalten:

Ackerhummel bei regen
Ackerhummel sammelt trotz Regen.

Hummeln lieben Disteln

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Disteln, vielerorts als Unkraut verschrien, können mehr als so mancher denkt! Denn dort, wo Disteln stehen bleiben und wachsen dürfen entwickelt sich eine artenreiche Bestäuber-Gesellschaft.

Wer einmal Distelblüten beobachtet hat konnte sicherlich entdecken wie viele Hummeln sich hier tummeln. Hummeln lieben Disteln. Ob Nickende Disteln (Carduus nutans), Weg-Disteln (Carduus acanthoides) oder auch Acker-Kratzdisteln (Cirsium arvense), es gibt viele verschiedene Distel-Arten, doch alle tragen gleichermaßen zu einer Verbesserung des Futterangebots für bestäubende Insekten bei.

Steinhummel an Distel
Eine Steinhummel (Bombus lapidarius) an einer Distel. Der Pollen ist an ihrem gesamten Körper verteilt.
Eventl Baumhummel an Distel
Eine Baumhummel (Bombus hypnorum) tief in einer Distelblüte „vergraben“.
Erdhummel an Distel
Eine Erdhummel aus dem Bombus-lucorum-Komplex sammelt Pollen und Nektar an einer Distelblüte.

Bei genauem Hinsehen entdeckt man nicht nur Hummeln, die tief in die Distelblüte klettern, um an ihren Nektar zu gelangen. Auch viele andere Wildbienen-Arten schätzen den Nektar und Pollen der Disteln. So habe ich keine fünf Minuten in einem Distelfeld in der Kiesgrube verbracht und konnte schon, neben vier Hummelarten, weitere drei Bienenarten entdecken. Zu den Hummelarten zählten einige Steinhummeln (Bombus lapidarius), gut zu erkennen an ihrem roten Po gepaart mit hellen Flügeln, Ackerhummeln (Bombus pascuorum), eine Baumhummel (Bombus hypnorum) und eine zur Gruppe der Erdhummeln gehörende Art (Bombus-lucorum-Komplex). Wie schon einmal beschrieben sind die Erdhummel-Arten nicht mit bloßem Auge auseinander zu halten, weswegen es mir nicht möglich ist zu sagen, um welche Art es sich hier handelte – vielleicht waren es ja sogar verschiedene Erdhummel-Arten. Zusätzlich zu den vielen umherbrummenden Hummeln fanden sich noch ein Keulhornbienen-Weibchen (Ceratina cucurbitina) und drei verschiedene Schmalbienen- oder Furchenbienen-Weibchen. Darunter die recht seltene und gleichzeitig größte Furchenbiene in Deutschland, die Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus).

Maskenbiene an Distel_Autokorrektur
Schwarzglänzende Keulhornbiene (Ceratina cucurbitina) an einer Distelblüte.
Schmalbiene oder Furchenbiene an Disteln
Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus) sammelt ebenfalls Pollen und Nektar an Disteln.
Schmalbiene oder Furchenbiene und Ackerhummel an Distel
…eine Ackerhummel (Bombus pasuorum) schaut auch noch vorbei…

Wäre ich etwas später da gewesen und nicht zur Mittagszeit in der heißesten Zeit des Tages, wären sicherlich noch mehr Arten geflogen. Aber nichtsdestotrotz: man erkennt schon so, dass ein gutes Futterangebot immer dazu beiträgt, dass sich Wildbienen in einem Lebensraum ansiedeln oder zum Pollen und Nektar sammeln vorbei schauen. Leider dürfen viele Wildpflanzen, die so wichtige natürliche Nahrungsquellen für Wildbienen und andere Insekten zur Verfügung stellen, an vielen Stellen nicht mehr wachsen, weil sie als Unkräuter gelten und als wenig hübsch empfunden werden. Dabei wäre es ein leichtes gerade Disteln und andere eher anspruchslose Wildpflanzen für die Bienen stehen zu lassen. Mit geringem Aufwand bietet man vielen Tieren so eine beliebte Nektar- und Pollenquelle im eigenen Garten. Und vielleicht findet man ja, wenn man die ganzen Wildbienenarten in seinem Garten beobachten kann auch etwas Gefallen an den vermeindlichen Unkräutern.

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