Schmalbienen – die kleinen Baukünstler

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Viele Schmalbienenarten, mit lateinischem Gattungsnamen Lasioglossum genannt, gehören zu den kleinsten einheimischen Bienen. Aber nicht nur das – sie gehören auch zu den großen Baukünstlern unter den Wildbienen.

Die Nester der Schmalbienen werden unterirdisch in freien bis wenig bewachsenen Boden angelegt. Oftmals findet man große Ansammlungen von Schmalbienen-Nestern – oberirdisch gut zu erkennen an kleinen Schornsteinen, die einige Millimeter bis Zentimeter aus dem Boden heraus ragen. Zu jedem Schornstein gehört ein eigenes Nest, d.h. jedes Nest hat tatsächlich nur einen einzigen Ein-und Ausgang. Übrigens: die Nester müssen nicht zwangsläufig alle von der selben Schmalbienenart sein. Es ist durchaus möglich, dass sich verschiedene Schmalbienenarten am selben Ort tummeln.

Lasioglossum Nestaggregation
Fünf Schmalbienen-Nester, die in unmittelbarer Nähe zueinander liegen

 

Schmalbienen leben nicht wie die meisten anderen Wildbienen allein, sondern bilden ein Volk. Dies funktioniert jedoch etwas anders, als man es von Honigbienen kennt. Schmalbienen leben nämlich nicht so extrem sozial wie Honigbienen, sondern bilden eher lockere soziale Gruppen. Es gibt zwar eine Königin und Arbeiterinnen, die für sie Pollen und Nektar sammeln, jedoch bleiben die Völker meist recht klein. Außerdem stirbt, im Gegensatz zur Honigbiene, das gesamte Volk vor dem Winter. Das Leben von Schmalbienen ist somit eher vergleichbar mit dem der Hummeln. Hier sterben die Völker auch vor dem Winter und nur die begatteten Weibchen überwintern. Wie bei den Hummeln ist es auch bei den Schmalbienen so, dass die befruchteten Weibchen den Winter als erwachsenes Individuum unter der Erde verbringen und im darauffolgenden Frühjahr ein neues Nest bauen und ein neues Volk gründen. Sind erst einmal ein paar Töchter geschlüpft, kümmert sich das Lasioglossum-Weibchen als Königin ab sofort nur noch um das Eierlegen. Um den Rest – wie das Sammeln von Pollen und Nektar oder die Pfelge der Brut – kümmern sich die ersten Nachkommen.

 

Da Wildbienen, wie schon in vorigen Beiträgen erzählt, viele Feinde haben, muss das Nest natürlich gut behütet werden. Parasitäre Wespen oder Wildbienenarten haben es nämlich auch auf die Wildbienengruppe der Schmalbienen abgesehen. Nun haben einige Schmalbienenarten eine effektive Strategie entwickelt, um Feinden das Eindringen ins Nest zu erschweren: das Volk hat besondere Wächter-Bienen, die am Eingang als Türsteherin arbeiten. Sie verschließen mit ihrem Kopf oder ganzen Körper den Nesteingang. Will eine verwandte Mitbewohnerin raus, um Pollen und Nektar sammeln zu gehen oder kommt voll beladen mit Pollen zurück, wird der Eingang frei gegeben. Allen anderen bleibt der Eintritt verwährt. Nähert man sich dem Nesteingang als interessierter Beobachter, guckt die Wächterin manchmal kurz heraus und schaut, was so vor sich geht. Kommt man aber zu nah, zieht sie sich schnell wieder in den Schornstein zurück. Schmalbienen sind eben vorsichtig!

Lasioglossum verstopft Nesteingang
Eine Schmalbienen-Wächterin streckt ihre Antennen aus
Lasioglossum guckt aus Nesteingang4
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um
Lasioglossum guckt aus Nesteingang3
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um
Lasioglossum guckt aus Nesteingang2
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um
Lasioglossum guckt aus Nesteingang
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um

Sie tun aber auch gut daran sich vorsichtig zu verhalten, denn viele der Schmalbienenarten sind sehr klein. Viele messen nur wenige Millimeter bis knapp einen Zentimeter. Deshalb ist es auch so schwierig die Arten auf den ersten Blick auseinander zu halten.

Lasioglossum kommt heim
Eine Schmalbienen-Arbeiterin kehrt zum Nest zurück. (Ihre geringe Größe erkennt man, wenn man den Kaninchen-Köttel im Vordergrund des Bildes dazu vergleicht.)

Dass man es aber mit einer Wildbiene zu tun hat, die zur Gruppe der Schmalbienen gehört, ist relativ leicht zu erkennen. Die Weibchen der Schmalbienen tragen eine behaarte Furche auf ihrem letzten Hinterleibssegment. Diese Furche ist bei genauerem Hinsehen wie ein dunkler Längsstrich auf dem hinteren, spitz zulaufenden Ende des Hinterleibs deutlich sichtbar. Es gibt nur eine andere Wildbienengruppe, die den Schmalbienen zum Verwechseln ähnelt – die Furchenbienen. Sie sehen den Schmalbienen nicht nur farblich und von ihrem Körperbau sehr ähnlich, sondern die Furchenbienenweibchen tragen ebenfalls diese behaarte Furche auf dem Hinterleib. Furchenbienen und Schmalbienen im Feld auseinander zu halten ist deshalb recht schwierig. Die beiden Gattungen sind eng miteinander verwandt und unterscheiden sich nur in wenigen Merkmalen, die nicht immer gut zu erkennen sind.

Lasioglossum Furche
Eine Schmalbienen-Arbeiterin schlüpft zurück ins Nest. Schmalbienenarten lassen sich leicht an der behaarten Furche am Hinterleibsende erkennen. Zu verwechseln sind sie dann nur noch mit den ebenfalls eine solche Furche besitzenden Furchbienen.

Von der Kuckuckshummel die nicht mehr fliegen konnte

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Auch Hummeln bekommen es regelmäßig mit Kuckuckskindern zu tun.

Ganz ähnlich wie der Vogel, legen auch so genannte Kuckuckshummel-Königinnen ihre Eier in fremde Hummelnester und lassen die anderen die Arbeit machen.

Dies ist eine ziemlich spannende Geschichte, denn ich stelle mir dann immer die Frage: warum erkennen die Hummeln den Kuckuck nicht? Warum werfen sie ihn nicht gemeinsam aus den Nest? Immerhin sind sie zumeist in der Überzahl. Aber Kuckuckshummeln sind gut getarnt. Sie ähneln der Wirtshummelart sehr. Sowohl in Körpergröße, -färbungsmuster als auch -geruch. Zudem haben Kuckuckshummeln ein festeres Außenskelett und sind dadurch weniger verwundbar. Stellen die Arbeiterinnen oder gar die Königin also fest, dass sich eine Kuckuckhummel-Königin im Nest befindet und wollen sie los werden, kämpfen sie gegen einen Feind mit stärkeren Waffen. Dazu kommt noch: ist der Feind erkannt, kann schon alles zu spät sein. Die Kuckuckshummel-Königin hat dann vielleicht schon Eier gelegt und kann das Nest getrost verlassen – mit der Sicherheit ihre Eier gut untergebracht zu haben.

Letzte Woche bin ich einer Kuckuckshummel-Königin begegnet. Kuckuckshummeln kann man meist gut an ihren verdunkelten Flügeln erkennen. Vermutlich gehörte sie zur Art der Angebundenen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus). Da diese Art aber sehr der Keuschen Kuckuckshummel (Bombus vestalis) ähnelt, ist die genaue Artzugehörigkeit schwer festzustellen, wenn man nicht ein Mikroskop oder sogar genetische Untersuchungmethoden zur Verfügung hat.

Kuckuckshummel
Kuckuckshummel-Königin mit den typischen dunklen Flügeln
Ackerhummel
Die Ackerhummel (Bombus pascuorum) z.B. hat helle Flügel und gehört nicht zu den Kuckuckshummeln.

Diese Kuckuckhummel-Königin jedenfalls saß einfach so am Wegesrand und bewegte sich kaum. Dank ihrer Größe von ungefähr zweieinhalb Zentimetern war sie aber kaum zu übersehen. Ich bückte mich zu ihr runter und sie versuchte weg zu fliegen, kam aber kaum einige Millimeter vom Boden weg, bevor sie wieder auf die Erde plumpste. Physikalisch konnte man lange Zeit sowieso nicht erklären, dass Hummeln fliegen können. Ihre Körperfülle sollte es nicht erlauben von den relativ kleinen Flügeln durch die Luft getragen zu werden… Aber glücklicherweise beweisen Hummeln jedes Jahr aufs Neue das Gegenteil und fliegen teilweise mit rasender Geschwindigkeit ihrer Wege.
Vor gar nicht allzu langer Zeit hat man dann neue Erkenntnisse gewonnen, die erklären, dass Hummeln deswegen so gut fliegen können, weil ihre Flügel flexibel sind und sie zusätzlich ein sehr bewegliches Gelenk besitzen, was eine optimale Flügelbewegung ermöglicht.

Schmarotzerhummelkönigin
Die Kuckuckshummel-Königin am Wegesrand. Ihr Rüssel hängt schlapp auf den Boden. Zwischen Kopf und Brust ist der Milben-Befall gut zu erkennen.
Schmarotzerhummelkönigin
Ein Flugversuch… Viele Milben sitzen auch zwischen Brust und Hinterleib.

Bei meiner Hummeln stellte ich dann fest, dass sie stark von Milben befallen war – an sich für Bienen erst einmal nichts besonders außergewöhnliches. Viele Bienen tragen Milben mit sich herum, können mit diesen aber meistens gut leben. Auch ihr Flugverhalten wird nicht deutlich beeinträchtigt, solange die Milben nicht so an den Flügelgelenken sitzen, dass sie die Flügelbewegung beeinträchtigen würden. Bei der Hummel war dies nicht der Fall. Und auch ihre Flügel waren noch top in Schuss. Bei alten Bienen fransen die Flügel mit der Zeit immer mehr aus, sodass sie dann immer schlechter fliegen können. Aber auch das war an den Flügeln der Hummel nicht zu beobachten. Also wunderte ich mich darüber, dass sie es nicht schaffte in die Luft zu starten und pflückte ein paar Blüten, um ihr etwas zu Trinken anzubieten. Das wollte sie auch dankbar annehmen, doch schaffte sie es nicht ihren Rüssel koordiniert zu bekommen, sodass dieser im Blütenkelch ankam. Irgendwann hatte sie es mit Hilfe ihrer Vorderbeine geschafft, ihren Rüssel in die Blüte zu stecken. Offenbar kam sie dann auch ein wenig zu Kräften und lief davon. Weg zu fliegen gelang ihr aber immer noch nicht. Ich musste sie irgendwann allein lassen, um weiter meiner Arbeit nach zu gehen, schaute aber später doch nochmal nach ihr. Sie hatte ein paar Meter gemacht, saß aber immer noch am Wegesrand.

Als ich näher kam wollte sie mir drohen. Ein gutes Zeichen, denn wenn sie in der Lage dazu war, dachte ich müsste es ihr besser gehen. Typischerweise drohen Hummeln einfach, indem sie ihr mittleres Bein in deine Richtung ausstrecken. Dadurch wirken sie tatsächlich bedrohlich(er). Bei ihrem Versuch jedoch, das Bein in die Luft zu strecken, ist sie auf den Rücken gekippt. Sie war anscheinend wirklich nicht mehr fit. Sie startete, nachdem ich ihr wieder auf die Beine geholfen hatte einen erneuten Flugversuch, schaffte es aber nicht abzuheben – und versuchte es letztendlich auch nicht mehr. Sie krabbelte weg und versteckte sich schließlich unter einem vertrockneten Blatt.

Drohende Schmarotzerhummelkönigin
Drohende Hummel
Schmarotzerhummelkönigin
Kuckuckshummel-Königin geht ihrer Wege

Als ich am nächsten Tag an der selben Stelle vorbei ging, war weit und breit kein Anzeichen mehr von ihr. Nur die Blüten, die ich ihr gepflückt hatte, lagen vertrocknet da.

 

Auftakt zum Maskenball

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Viele Maskenbienen (lateinisch: Hyleaus) lassen sich viel Zeit bis sie schlüpfen und erscheinen erst allmählich ab Mai oder Juni auf der Bildfläche. Und auch in vielerlei weiterer Hinsicht sind Maskenbienen durchaus außergewöhnlich:

Ihren Namen verdanken sie der, vor allem bei den Männchen stark ausgeprägten, gelben oder weißlichen Gesichtszeichnung. Hat man einmal einen Eindruck von ihrem charakteristischen Aussehen,erkennt man sie sofort, wenn sie vor einem auf einer Blüte sitzen; nicht aber unbedingt, wenn sie vor einem durch die Luft „hüpfen“. Ihr Flugstil erscheint tatsächlich fast, als würden sie von einer imaginären Plattform zur nächsten springen.

Maskenbiene Männchen
Maskenbienen Männchen mit der typischen Gesichtsmaske

 

Maskenbiene Weibchen
Maskenbienen Weibchen besitzen keine komplette Maske, sondern tragen eher gelbe oder weiße Striche und Punkte im Gesicht

Maskenbienen gehören zu den eher kleineren Wildbienenarten und sind somit schwer im Flug zu erkennen. Erst wenn sie sich auf eine Blüte setzen, um Nektar zu trinken oder um sich zu putzen, zeigt sich die typische Gesichtsmaske, wodurch sie dann leicht zu erkennen sind. Da sich viele Maskenbienenarten sehr stark ähneln, ist es kaum möglich den Bienen den richtigen Artnamen zuzuweisen, ohne sie unter einer Lupe zu betrachten. Auf den ersten Blick könnte man sie sogar mit Fliegen verwechseln: die meisten Maskenbienenarten sind kaum einen Zentimeter groß und außer den gelben oder weißen Flecken, komplett schwarz. Außerdem sind sie – was für viele Wildbienen ja eigentlich typisch ist – kaum behaart. Die Maskenbienenweibchen besitzen, im Gegensatz zu vielen ihrer Wildbienenverwandten, keine Haarstrukturen am Hinterleib oder ihren Hinterbeinen, die es ihnen ermöglichen den gesammelten Pollen von den Blüten zum Nest zu tragen. Nein, Maskenbienenweibchen bedienen sich da einer ganz anderen Methode. Sie verschlucken den Pollen in einer Art Kropf. Am Nest angekommen spucken sie ihn dann, gemeinsam mit dem gesammelten Nektar, wieder aus und stellen ihrem Nachwuchs somit ein recht feuchtes Nektar-Pollen-Gemisch zur Verfügung.

Maskenbiene
Maskenbienen Weibchen sammelt Pollen für den Nachwuchs.

Ihr Nest bauen die meisten Maskenbienenarten nicht selbst, sondern nutzen schon vorhandene Hohlräume. Diese können so unterschiedlich, wie die Maskenbienenarten untereinander ähnlich, sein. Man findet Maskenbienennester sowohl in Käferfraßgängen in Totholz, als auch in ehemaligen Nestern anderer Wildbienen oder Wespen, an Sand- und Lehmwänden, oder auch in Gesteinsritzen oder Schilfröhricht. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir viele Maskenbienen ebenso an Wildbienen-Nisthilfen finden können. Die Weibchen nutzen gern die zur Verfügung gestellten Schilf- und Bambushalme, oder Bohrlöcher in Hartholz, um dort Brutzellen für den Nachwuchs anzulegen.

Bella Donna unter den Wildbienen – die Pelzbiene Anthophora quadrimaculata

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Anthophora quadrimaculata, die Vierfleck-Pelzbiene ist eine der auffälligsten Erscheinungen, die wir derzeit an vielen verschiedenen Blütenpflanzen beobachten können.

Mit ihren smaragdgrünen Augen ist sie kaum zu übersehen!

Vierfleck Pelzbiene beim Nektartrinken an Büschelschön
Vierfleck-Pelzbiene beim Nektartrinken an Büschelschön
Vierfleck Pezlbiene trinkt an Büschelschön-Blüte
Vierfleck-Pelzbiene trinkt an Büschelschön-Blüte

Oder doch? – dieser kleine Knubbel ist nämlich ganz schön flink unterwegs. Ihren Körperbau kann man nicht gerade als schlank bezeichnen, aber nichtsdestotrotz fliegt sie in einem rasanten Tempo von Blüte zu Blüte. Deshalb kann es schon mal passieren, dass man einfach nur einen kleinen, gräulichen Kugelblitz durch die Luft sausen sieht und erst, wenn sie sich mal für einen Bruchteil einer Sekunde an einer Blüte aufhält erkennt man, mit wem man es hier zu tun hat. Um keine Zeit auf ihrem Weg von einer Blüte zur nächsten zu verlieren, streckt sie oft schon während des Fluges ihren Rüssel raus und kann, an der nächsten Blüte angekommen, sofort anfangen den Nektar aufzunehmen.

 

Vierfleck Pelzbiene mit schon ausgestrecktem Rüssel im Anflüg an eine Blüte
Vierfleck-Pelzbiene mit schon ausgestrecktem Rüssel im Anflug an eine Blüte

 

Ihr ‚Schönheits‘-Merkmal – die hellen, bläulich-grünen Augen – sind durchaus öfters zu beobachten. Es gibt einige weitere Wildbienenarten, die keine schwarzen, sondern eben helle Augen besitzten. Trotzdem aber bleibt es etwas Besonderes!

Zusätzlich aber zu dieser Besonderheit verleiht ihre gedrungene Körperform, zusammen mit ihrem gräulich-beigen Pelz, der Vierfleck-Pelzbiene, eine wunderbar charmante Erscheinung, wie ich finde:

Gut zu erkennen sind die smaragdgrünen Augen der Vierfleck Pelzbiene, wenn sie sich trinkend an einer Blüte niederlässt
Gut zu erkennen sind die smaragdgrünen Augen der Vierfleck-Pelzbiene, wenn sie sich trinkend an einer Blüte niederlässt

 

Wie alle Pelzbienen transportiert auch Anthophora quadrimaculata den gesammelten Pollen an ihren Beinen zum Nistplatz (vielleicht erinnert ihr euch: im Gegensatz dazu transportieren die Mauerbienen den Pollen z.B. unter ihrem Hinterleib). Auf welche Weise der Pollen zum Nest transportiert wird hängt meist mit der Zugehörigkeit einer Bienenart zu der entsprechenden Gattung zusammen. So gibt es eben Gattungen in denen sich das Transportieren des Pollens an den Beinen etabliert hat (wie bei den Honigbienen, Hummeln oder Pelzbienen), andere die den Pollen unter ihrem Hinterleib ‚verstauen‘ (wie beispeilweise Mauerbienen und Blattschneiderbienen) oder aber auch, wie bei den Maskenbienen, solche bei denen der Pollen zum Transport verschluckt wird.

 

Die Vierfleck-Pelzbiene Anthophora quadrimaculata mit großen Pollenpakten an ihren Hinterbeinen
Die Vierfleck-Pelzbiene Anthophora quadrimaculata mit großen Pollenpakten an ihren Hinterbeinen

 

Aber zurück zu unserer Pelzbiene: Ihren Nistplatz sucht sich die Vierfleck-Pelzbiene bevorzugt an vertikalen Flächen, wo sie sich selbst ihre Niströhren baut. Gerne nutzt die Pelzbiene hierzu Sand- oder Lehmwände, oder auch Lehmfugen bzw -mauern. Das Material darf nicht zu fest sein, denn sonst hat die Biene keine Möglichkeit Löcher hineinzunagen. Nicht nur für die Pelzbiene, sondern auch für viele andere Bienenarten ergibt sich hieraus ein Problem. Leider gibt es heutzutage immer weniger geeignete Niststandorte, die die richtigen Bedingungen bieten. Umso wichtiger ist es genau die Standorte, die momentan noch zur Verfügung stehen, wie z.B. ehemalige Kiesgruben, zu erhalten.

 

 

Ziemlich flauschig so eine frisch geschlüpfte Hummel

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Hummeln – die sozialen Wildbienen – jeder kennt sie, so gut wie jeder findet sie sympathisch!

 

Hummel an einer Blüte des Büschelschöns
Hummel an einer Blüte des Büschelschöns

Hummelkönigin an Blüte des Büschelschöns

Aber habt ihr schon einmal gesehen, wie ein Hummelvolk wohnt?

Ich habe gestern, bei meiner Arbeit in der Kiesgrube, ein Hummelnest entdeckt – wahrscheinlich bewohnt von einer Hummelfamilie der Hellen oder Dunklen Erdhummel (Bombus lucorum oder Bombus terrestris). Diese Hummelarten gehören zu einer Gruppe von insgesamt vier Hummelarten, die sich zum verwechseln ähnlich sehen. Zusätzlich zur Dunklen und Hellen Erdhummel zählen hierzu noch die Kryptarum Erdhummel (Bombus cryptarum) und die Große Erdhummel (Bombus magnus), die allesamt gelbe Querbinden auf Rücken (Thorax) und vorderem Hinterleib aufweisen, sowie einen weißen Po (letzte Hinterleibssegmente) besitzen. Im Gegensatz zur Dunklen und Hellen Erdhummel aber sind die beiden anderen Arten eher selten zu beobachten und die Große Erdhummel gilt sogar als gefährdet.

Hummelnest mit Moos bedeckt
Hummelnest mit Moos bedeckt

Das Hummelnest war noch sehr klein. Lediglich eine Hand voll Arbeiterinnen wuselte im Nest herum. Die Königin aber ließ sich nicht blicken. Um einen genaueren Blick ins Nest werfen zu können habe ich das Moos ein wenig zur Seite gedrückt. Dies schien die Hummeln kein bisschen aus der Ruhe zu bringen. Nur eine Arbeiterin kam direkt heraus geklettert, um nachzuschauen, was hier geschah und fing umgehend an, das Moos wieder über die offene Stelle drüber zu legen.

Es ist schon ein ziemlich besonderes Erlebnis diesen absolut friedlichen Zeitgenossen bei ihrem Treiben zuzusehen. Die frisch geschlüpften Hummelarbeiterinnen haben noch einen richtig flauschigen Pelz und die Farbe der Streifen ist noch richtig knallig gelb – ein wirklich hübscher Anblick.

Ab und zu haben die wuseligen Arbeiterinnen dann den Blick auf ihre Brutzellen frei gegeben. Diese sind nicht halb so akkurat wie man es von Honigbienen kennt. Eigentlich erscheint es bei vielen Hummelnestern eher so, als wären sie die Surrealisten unter den sozialen Bienen. Sie bauen gerade so, wie und wo es gerade passt. Die Hummelkönigin baut zunächst eine Art Tönnchen, das den ersten gesammelten Nektarvorrat beinhaltet. Der gesammelte Pollen dient daraufhin als „Bett“ für die ersten Eier. Diese werden mit einer Wachsschicht abgedeckt. Während der Entwicklung der Hummelarbeiterinnen gibt es dann eine Phase in der sich die heranwachsenden Larven in einem Kokon verpuppen. Darin wächst die erwachsene Hummel heran. Hat sie ihren Kokon verlassen, kann die leere Hülle dann als Topf zur Aufbewahrung des Pollenvorrats dienen.

Hummelnest
Hummelnnest mit einigen Arbeiterinnen. Unter ihnen erkennt man die Brutzellen
Hummelnest
Hummelnest mit einigen Arbeiterinnen

Mit der Zeit entsteht ein Durcheinander von aneinander angrenzenden Pollentöpfen, Nektartonnen und Brutzellen – in unseren Augen mag es ziemlich chaotisch erscheinen, aber die Hummeln behalten den Durchblick. Ganz ihrer Aufgabe entsprechend organisieren sie den Rest des Sommers entweder die Versorgung des Nachwuchses, die Besorgung von Nektar und Pollen oder eben das Eierlegen, das allein Aufgabe der Königin ist.

… Aber mehr zu den unterschiedlichen Jobs innerhalb des Hummelvolks gibt’s beim nächsten Mal. Ich werde euch im Laufe des Sommers immer mal wieder auf dem Laufenden halten, was bei den Hummeln so passiert!

Zu jeder guten Geschichte gehört ein guter Schurke

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Wie es so ist im Leben: es gibt diejenigen, die hart arbeiten, um etwas zu erreichen, und diejenigen, die es sich auf Kosten anderer gut gehen lassen.

Und ja, auch im Tierreich gibt es hierzu zahlreiche Beispiele. Man denke nur an den Kuckuck, der seine Eier nicht selbst ausbrütet, sonern sie in die Nester anderer Vögel schmuggelt. Auch das Wildbienenleben bildet hier keine Ausnahme.

So ziemlich jede Wildbienenart hat mit ihren ganz eigenen Gegenspielern zu kämpfen – Ganoven, die sich nicht selbst die Mühe machen ein Nest für Ihren Nachwuchs anzulegen, sondern ihre Eier einfach bei anderen mit ins Nest legen. Ist ja auch völlig logisch.Wenn es funktioniert, warum nicht? Warum sich die Mühe machen und haufenweise Pollen und Nektar sammeln? Warum mühsam Material herbei schaffen, um damit Niströhren auszukleiden und zu verschließen? Warum alles mögliche dafür tun, dass der Nachwuchs gut gegen eben diese Schmarotzer geschützt ist?
…Und diese Strategie der sogenannten Kuckucksbienen oder auch Brutparasiten ist erfolgversprechend. Die Larven der Kuckucksbienen entwickeln sich schneller, als die der sogenannten Wirtsbienenart, sodass die Kuckucks-Larve noch bevor ihre Mitbewohnerin oder ihr Mitbewohner schlüpt den Futtervorrat vertilgt hat.

Nichtsdestotrotz haben die Schmarotzer keinen großen negativen Einfluss auf das Überleben der Gesamtpopulation der Wirtsbienenarten. Ein Parasit täte eben schlecht daran, wenn er denjenigen ausrotten würde, der für das Überleben des eigenen Nachwuchses sorgt. So entsteht ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen, mit dem sich alle Beteiligten arrangiert zu haben scheinen. So kommt es aber nicht nur vor, dass schmarotzende Wildbienen ihre Eier in fremde Nester legen. Es gibt noch viele andere Insekten, die eine ähnliche Strategie verfolgen. Zum Beispiel die nur wenige Millimeter großen, durch ihren metalisch in blau, grün und rot schimmernden Körper, unverwechselbaren und wunderhübschen Goldwespen. Die Larven dieser Wespen ernähren sich im Vergleich zu den Larven der Kuckucksbienen jedoch direkt von den Eiern oder Larven der Wirtsbienen, sind also Fleischfresser.

Goldwespe
Goldwespe an einer Niströhre der Frühjahrs-Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Hierzu habe ich vor Kurzem eine wirklich interessante Beobachtung gemacht: Ein Pelzbienenweibchen kam vollbeladen mit Pollen zu ihrer Niströhre zurück, die sie in einer Lehm-Steilwand angelegt hatte. Sie kletterte ganz selbstverständlich hinein, um den Pollen für ihren Nachwuchs in einer Brutzelle zu verstauen. Als sie tief in der Röhre verschwunden war, kam eine Goldwespe vorbei. Diese inspizierte den Nesteingang, lief vor dem Eingang hin und her, schien sich aber nicht ganz sicher zu sein, ob die Luft rein ist. Letztendlich entschied sie sich dann doch dazu, lieber das Weite zu suchen. Vielleicht hatte die Goldwespe festgestellt, dass es sich hier nicht um die richtige Wirtsart handelt, denn nicht jede Bienenart ist gleich gut für die unterschiedlichen parasitischen Arten geeignet. Oder sie hatte bemerkt, dass Mutter Pelzbiene sich gerade noch in der Röhre aufhält.
Gut so! Denn kurze Zeit später tauchte das Pelzbienenweibchen auf und wollte aus ihrer Brutröhre herauskommen. Anscheinend hatte sie aber ebenfalls bemerkt, dass etwas nicht ganz stimmte, denn sie hielt sich noch eine lange Zeit im Eingangsbereich auf und tastete den Eingang mit ihren Antennen ab.

Goldwespe
Die Goldwespe guckt, ob sie hier ein Ei hinein legen könnte.
Pelzbiene in Niströhre
Das Pelzbienenweibchen versteckt sich noch in ihrer Niströhre

Bienen riechen, genauso wie Wespen und viele andere Insekten, mit ihren Antennen. Es machte den Anschein, als wollte das Pelzbienenweibchen erst einmal erschnüffeln, ob ihre Widersacherin tatsächlich verschwunden war und sie sich unbekümmert vom Nest entfernen konnte. Als sie sicher war, dass alles okay ist, machte sich sich erneut auf den Weg, um Pollen und Nektar zu sammeln.

 

Es dauerte aber nicht lange, da erblickte ich dann tatsächlich eine Kuckucksbiene –  ein Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana). Diese Kuckucksbienenart macht ihrem Namen alle Ehre, denn die Ähnlichkeit mit richtigen Wespen ist hier kaum zu übersehen.
Diese Schmarotzer-Wildbienen parasitieren unter anderem die Brutzellen der Weiden-Sandbiene (Andrena vaga), die ich in einem meiner ersten Beiträge vorgestellt habe. Das Wespenbienenmännchen war natürlich nicht auf der Suche nach einem Sandbienenweibchen. Vielmehr war er offenbar auf der Suche nach einer geeigneten Partnerin seiner eigenen Art. Dazu hielt er sich sehr lange an ein und derselben Stelle auf. Gut für mich, denn so konnte ich ihn ausgiebig beobachten und fotografieren.

Nomada Maennchen
Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana)
Nomada Maennchen
Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana)
Nomada Maennchen
Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana)

Aber unter Umständen auch gut für ihn. An genau dieser Stelle habe ich nämlich auch schon Sandbienenweibchen bei der Verproviantierung von Brutzellen gesehen. Demnach ist die Strategie  des Wespenbienenmannes vielleicht gar nicht so schlecht. Wenn er Glück hat, muss er einfach nur warten, bis in einer Brutröhre, die von Weiden-Sandbienen im Vorjahr dort angelegt wurde, ein Wespenbienenweibchen schlüpft und an die frische Luft hinaus klettert!

Von fürsorglichen und sehr fürsorglichen Müttern

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Nachdem ich vor einigen Tagen noch einmal meine Nisthilfen der Gehörnten Mauerbiene besucht habe, muss ich heute noch einmal über diese Wildbienen berichten.

Mittlerweile steht der Raps nicht mehr in Vollblüte und die Mauerbienenmännchen sind fast komplett von der Bildfläche verschwunden. Die Weibchen jedoch sind nach wie vor sehr fleißig und versuchen noch so viele Eier, wie möglich zu legen. Dazu müssen sie, wie letzte Woche berichtet, natürlich zunächst Nektar und Pollen sammeln, um einen Nahrungsvorrat für den Nachwuchs bereit zu stellen. Das nun wirklich Erstaunliche aber ist, dass es offenbar auch in der Wildbienenwelt Mütter gibt, die sich sehr aufopferungsvoll um den Nachwuchs sorgen und Andere, die eben so das Nötigste tun, um ihren Nachwuchs bestmöglich groß zu kriegen.

Osmia cornuta_altes Weibchen vor Nisthilfe
Ein Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) kommt zu ihrer Niströhre zurück
Osmia cornuta_altes Weibchen in Nisthilfe
Ein Weibchen der Gehörnten Mauerbiene bereit zum Abflug.

Zu erkennen ist dies an unterschiedlich verproviantierten Brutzellen. Da gibt es Solche, die so vollgestopft sind mit Pollen, dass man sich fragt, wie die Biene, die hier heranwächst, vor Körperfülle jemals aus der doch recht engen Brutröhre herauskommen soll. Andere beinhalten sehr viel weniger Pollen, sodass die hier heranwachsende Biene einfach etwas kleiner bleiben muss. Vielleicht hatte sie aber auch einfach eine kleinere Mutter, die es aus körperlichen Gründen gar nicht schaffen würde, ihrem Nachwuchs Futter in mehr Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich zur unterschiedlichen Pollenmenge kann man aber auch eine unterschiedliche Menge von Nektar in den Futtervorräten beobachten. Manche Mütter meinen es anscheinend ziemlich gut und geben ihrem Nachwuchs einiges an Zucker mit auf den Weg. Das sieht man deutlich, an einem Pollen-Nektar-Vorrat, der eine sehr breiige Konsistenz aufweist und daran, dass die Brutzellen, wenn man von oben darauf schaut, sehr nass aussehen. Andere Mütter hingegen setzen eher auf Eiweiß und bereiten ihrem Nachwuchs einen Futtervorrat, dem recht wenig Nektar zugesetzt wird. Hier besteht der überwiegende Teil des Futters aus Pollen.

Volle Brutröhre
Die erste Brutzelle ist mit extrem viel Pollen-Nektar-Gemisch gefüllt.
Nisthilfe_unterschiedlich verproviantiert
Bei diesen drei Niströhren erkennt man an den verschieden nassen Bereichen in den Zellwänden gut den unterschiedlichen Nektargehalt des Nahrungsvorrats.

Damit aber noch nicht genug an unterschiedlicher mütterlicher Fürsorge… Manche Mütter gehen sogar so weit, dass sie ihren Nachwuchs regelrecht einmauern. Sie kleiden die Brutzellen mit so großen Mengen Sand, Steinchen, Erde oder Ähnlichem aus, dass man den Pollen-Nektar-Vorrat und die Eier von oben gar nicht mehr sehen kann. Auch die Wände zwischen den einzelnen Brutzellen können je nach Baukunst des jeweiligen Mauerbienenweibchens mal mehr, mal weniger dick ausfallen. Es ist nur zu hoffen, dass der Nachwuchs der überaus vorsichtigen Mütter, die ihren Nachwuchs durch die dick gemauerten Wände gut gegen Eindringlinge schützen, als erwachsene Biene im nächsten Frühjahr stark genug ist, um sich aus den Brutzellen hinauszunagen.

Nisthilfe_unterschiedlich zugemauert
In den drei Niströhren ist der Mauerbienennachwuchs unterschiedlich stark „eingemauert“ worden.

Zu guter Letzt muss man noch wissen, dass Wildbienenweibchen selbst entscheiden können, ob sie Eier legen aus denen weiblicher oder männlicher Nachwuchs schlüpft. Interessant ist, dass den weiblichen Larven viel mehr Nahrung zur Verfügung gestellt wird, als den männlichen. Dies ist aber auch völlig in Ordnung. Da die Männchen generell kleiner sind als die Weibchen, benötigen die männlichen Larven eben auch weniger Futter.

Nisthilfe
In den hinteren Brutzellen (im linken Bildbereich) ist mehr Futterproviant in den Zellen, als in den vorderen (rechten) Brutzellen.

Es ist somit gut zu erkennen, dass in den im hinteren Bereich der Niströhren gelegenen Brutzellen Weibchen heranwachsen, während in den vorderen Brutzellen Männchen zur Welt kommen. Diese schlüpfen dann im kommenden Frühjahr zuerst aus und machen Platz für die einige Zeit später schlüpfenden Weibchen. Für die Männchen sehr praktisch: sie können vor den Niströhren auf die Weibchen warten und sich somit so schnell wie möglich mit ihnen paaren, bevor ihnen ein anderes Männchen zuvorkommt.

Pollen, immer dieser Pollen

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Zusätzlich zu meinen generellen Untersuchungen der Wildbienengesellschaft in der ehemaligen Kiesgrube schaue ich mir bei einer bestimmten Mauerbienenart an, welche Blüten die Weibchen bevorzugt anfliegen, um dort Pollen zu sammeln.

Schlüpfendes Männchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta)

Die Wildbienenart, die ich mir zum genaueren Hinsehen ausgesucht habe, ist die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta). Sie ist eine kooperative Partnerin, denn bei der Gehörnten Mauerbiene handelt es sich um einen absoluten Generalisten. Das bedeutet, sie nutzt Pollen von vielen unterschiedlichen Pflanzen und nistet zudem auch in jeglichen Hohlräumen verschiedenster Materialien. Man kann sie sowohl an alten Holzbänken auf der Suche nach Nistmöglichkeiten beobachten, wie auch an Häuserwänden, wo sie in Fugen nach geeigneten Hohlräumen sucht. Sorgen muss man sich, sollte man dies im eigenen Garten oder am eigenen Haus beobachten, jedoch nicht. Die Wildbienen sind absolut friedliche Zeitgenossen und völlig unproblematische Mitbewohner. Schaden richten sie keinen an.

Für mich ist das charakteristische Verhalten der Gehörnten Mauerbiene überaus praktisch. Durch ihre geringen Ansprüche bezüglich Behausung und Futter für ihre Larven, kann man sie so gut wie überall ansiedeln.
Ich habe für meine Versuche künstliche Nisthilfen in einer Apfelbaumplantage aufgestellt. Diese Nisthilfen erlauben einen genauen Blick in die Nester. So ist es möglich zu schauen, an welchen Pflanzen Pollen für die Larven gesammelt wird. Mein Interesse ist es herauszufinden, ob die Mauerbienen zum Pollensammeln gezielt zum momentan blühenden Raps fliegen und welche Entfernungen sie dafür in Kauf nehmen. Würde der Raps nämlich extrem attraktiv für die Mauerbienen sein, könnte dies bedeuten, dass der Raps eine große Zahl verschiedener Wildbienen anzieht, die dann nicht mehr für die Bestäubung der Apfelblüten zur Verfügung stünden. Von Honigbienen und Hummeln ist dieses Verhalten bereits bekannt. Man muss aber wissen, dass Honigbienen und Hummeln auch wesentlich weitere Flugdistanzen zwischen Nest und Futterquelle überwinden, als die meisten anderen Bienenarten.
Meine aufgestellten Nisthilfen stehen in unterschiedlichen Entfernungen zum Rapsfeld. Dadurch kann ich vergleichen, ob in den weiter entfernten Nestern unter Umständen weniger Rapspollen vorhanden ist. Dafür aber vielleicht mehr Apfelpollen? Wir werden es sehen…

 

Die Mauerbienen lassen sich von meinen Untersuchungen nicht stören. Ich habe sogar in eine Niströhre hineingeschaut, wo ein Osmia cornuta Weibchen gerade Pollen und Nektar in eine Brutzelle gebracht hat. Sie hat sich nicht von mir aus der Ruhe bringen lassen und ist weiterhin voller Eifer ihrer Arbeit nachgegangen.

Weibchen der Gehörnten Mauerbiene verproviantiert eine Brutzelle mit Pollen
Hier kann man gut erkennen, wie der Pollen transportiert wird. In den speziellen Haarstrukturen unter dem Hinterleib hängen noch jede Menge Pollen.

Mauerbienen transportieren den Pollen in struppigen Haarstrukturen unter ihrem Hinterleib. Den Nektar verschlucken sie zur Aufbewahrung in einer Art Kropf. Um die Brutzelle mit Pollen zu verproviantieren klettern die Weibchen rückwärts in die Niströhre und kämmen den Pollen mit Hilfe ihrer Hinterbeine aus den Haaren. Nachdem sie wieder herausgelaufen sind, klettern andersherum erneut in die Niströhre hinein, um dann den Nektar auf den zuvor hineingetragenen Pollen zu spucken und so eine Pollen-Nektar-Mischung für ihren Nachwuchs herzustellen. Sind sie ein paar Mal ausgeflogen und haben ausreichend Pollen und Nektar gesammelt und in die Brutzelle bugsiert, klettern sie wieder rückwärts in die Röhre und legen ein Ei auf die Pollen-Nektar-Masse. Die Eier von Mauerbienen sehen aus wie kleine, durchsichtige Reiskörner. Schlüpft die Larve kann sie sofort die erste Nahrung zu sich nehmen.

 

Osmia cornuta Brutzellen mit Ei
Eier der Gehörnten Mauerbiene liegen direkt am Pollen-Nektar-Gemisch. Links sieht man eine Brutzelle, die noch nicht fertig verproviantiert ist.
Zwei Niströhren mit unterschiedlichem Pollen.

 

Begegnung mit Frau Rotschopf

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Wie ihr sicher festgestellt habt, habe ich ein neues Titel-Foto. Und die Art, die dieses Foto zeigt, möchte ich euch heute gerne vorstellen.

Es handelt sich um die Rotschopfige Sandbiene, Andrena haemorrhoa. Gut zu erkennen sind die Weibchen dieser, mit rund einem Zentimeter Körpergröße, recht kleinen Wildbienenart an ihrem rostroten Flaum am Rücken und der ebenfalls rostrot gefärbten Hinterleibsspitze.

Ich habe das Weibchen auf den Fotos gar nicht an meinem eigentlichen Arbeitsplatz, in der Kiesgrube angetroffen, sondern auf einer Streuobstwiese inmitten von landwirtschaftlich genutzer Felder.
Und genau dort gehört Andrena haemorrhoa hin. Sie ist nämlich eine typische Art des Kulturlandes und kommt gut mit den Bedingungen klar, die sich ihr hier bieten. In der Kulturlandschaft gibt es für eine kurze Zeit, wenn die Obstbäume oder der Raps blühen, ein überaus großes Angebot an Nektar und Pollen. Sind diese Pflanzen aber verblüht, gibt es oftmals von einem Tag auf den anderen kein ausreichendes Futterangebot mehr. Dies stellt für viele Arten ein großes Problem dar, weswegen in stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten nur die Arten leben, die sich an diese Gegebenheiten anpassen können. Und das sind nicht gerade viele. Die Rotschopfige Sandbiene hingegen kommt hier gut zurecht.

Entgegen dem lustig klingenden Titel meines Beitrags heute, ist die Geschichte, die dahinter steckt, eher eine traurige. Jedoch auch eine völlig natürliche.
Ich fand das Sandbienen Weibchen an einer offenen, sandigen Stelle am Boden sitzend. Zuerst dachte ich, sie sei dort vielleicht gerade auf der Suche nach einer geeigneten Stelle zum Bauen ihres Nestes. Bei genauerem Hinsehen aber stellte ich fest, dass sie offenbar ziemlich schlapp war. Kurzentschlossen habe ich sie auf die Hand genommen und sie an eine Blüte eines Pflaumenbaumes gesetzt. Dort hat sie sofort begonnen den Nektar zu trinken. Sie schien sich aber nicht so recht erholen zu wollen, was mich zu der Einsicht brachte, dass sie wohl am Ende ihre Lebens angekommen war.
Ein ganz charakteristisches Merkmal der meisten Wildbienenarten ist, dass sie nur wenige Wochen als erwachsenes Tier leben. Die Lebenserwartung der meisten Wildbienen beträgt ungefähr vier bis sechs Wochen. Eine Ausnahme bilden da zwar zum Beispiel die Hummelköniginnen, ihre Arbeiterinnen aber besitzen ebenfalls keine überaus lange Lebensspanne. Die Arbeiterin, die wir im Mai beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten ist sicher nicht die selbe, die wir noch im August zu Gesicht bekommen.

Wenn es nun bei meinem Sandbienen Weibchen so war, dass sie eine der ersten ihrer Art war, die bereits Mitte März aus ihrem Nest geschlüpt ist, lebte sie bei unserem Zusammentreffen schon vier bis fünf Wochen. Und sicher hatte sie schon einiges in ihrem Leben geleistet. Wahrscheinlich hatte sie schon viele Brutzellen für ihren Nachwuchs angelegt, mit Nektar und Pollen verproviantiert und Eier gelegt. Nun hat ihre Energie nicht mehr ausgereicht, um von Blüte zu Blüte zu fliegen. Deshalb hat sie sich von mir von Obstblüte zu Obstblüte tragen lassen und hat den ihr angebotenen Nektar scheinbar dankbar angenommen.
Mir eröffnete das die seltene Gelegenheit einen genaueren Blick auf sie zu werfen und ganz ausgiebig zu beobachten, wie sie ihre lange Zunge in die Blüten streckt und vermeindlich gierig den Nektar herausschlürft…

 

Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene trinkt Nektar aus einer Pflaumenblüte und hält sich noch eine meiner Hand fest
Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene trinkt Nektar aus einer Pflaumenblüte und hält sich dabei noch an meiner Hand fest
Weibchen der Rotschopfigen Sandbienen (Andrena haemorrhoa)
Weibchen der Rotschopfigen Sandbienen (Andrena haemorrhoa)
Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene (Andrena haemorrhoa) an einer Pflaumenblüte
Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene (Andrena haemorrhoa) an einer Pflaumenblüte

A.haemorrhoa

 

 

 

 

Zur Sache, Baby

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Auch Wildbienen müssen sich natürlich paaren, um Nachwuchs zu bekommen! Keine verwunderliche Sache, aber doch etwas worüber man, wenn es um Insekten geht, oftmals keinen Gedanken verliert.

Eigentlich wollte ich euch ja heute eine neue Wildbienenart vorstellen. Aber nun habe ich mich doch dazu entschieden noch einmal auf die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) von letzter Woche zu sprechen zu kommen – immerhin ist auch gerade ihre Zeit! Sie ist nämlich nur von Ende Februar/ Anfang April bis in den Mai hinein aktiv und draußen zu sehen. Danach sterben alle erwachsenen Tiere und der Nachwuchs bleibt bis zum kommenden Frühjahr gut versteckt unter der Erde. Aber momentan müsst ihr wirklich mal die Augen offen halten, vor Allem an kahlen, sandigen Stellen . Die Weiden-Sandbiene mit ihrem silber-grauen Pelz ist kaum zu übersehen!

Ich hatte vor zwei Tagen das Glück zwei Weiden-Sandbienen bei der Paarung beobachten zu können.
…Und die Paarung bei Wildbienen ist gar keine so unkomplizierte Sache. Einerseits, weil es oftmals viele Männchen gibt, die sich um ein und das selbe Weibchen streiten und andererseits, weil sich die Männchen den Weibchen regelrecht aufdrängen, anstatt höflich um das Weibchen zu werben. Ja, aus menschlicher Sicht betrachtet erscheint es beinah so, als würde dem Weibchen überhaupt keine Wahl gelassen und keinerlei Mitentscheidungsrecht eingeräumt mit welchem Männchen sie sich gern paaren würde. Was für uns ungehobelt scheint, ist für Wildbienen völlig normal. Aus einer evolutionären Perspektive gesehen hat sich das System anscheinend aber bewährt…

Aber zurück zu meinem Sandbienen Paar. Die beiden haben sich eine geraume Zeit gebalgt. Das Weibchen hat immer wieder versucht wegzufliegen, doch mit einem schweren Männchen auf dem Rücken, ist das gar nicht so leicht. Also haben sie sich in Bodennähe aufgehalten, was für mich natürlich ziemlich praktisch war, um brauchbare Fotos zu schießen. Nachdem ich die beiden entdeckt hatte, dauerte das Liebesspiel noch ungefähr zwei Minuten. Danach schubste das Weibchen das Männchen gerade zu von sich und flog ein Stück in die Luft. Das interessante aber war, dass nicht sie diejenige war, die anschließend das Weite suchte, sondern das Männchen, das sich schnell aus dem Staub machte. Das Weibchen flog noch einige Zeit über der Stelle, um später auch davon zu fliegen. Das Männchen fand ich in kurzer Entfernung auf einem abgebrochenen Bambushalm. Er hatte sich dort niedergelassen und putzte sich erst einmal ausgiebig!

2015_04-12_Andrena vaga Paarung an Kbahn (3)
Weiden-Sandbienen (Andrena vaga) Weibchen unten. Das Männchen auf ihrem Rücken.
2015_04-12_Andrena vaga Paarung an Kbahn (1)
Ein Paarungsversuch.
2015_04-12_Andrena vaga Paarung an Kbahn (7)
Nach der Paarung gehen Männchen und Weibchen sofort getrennte Wege.

 

Für das Weibchen beginnt nun, nach der Paarung, ein weiterer sehr bedeutender Teil ihres Lebens. Sie muss einen geeigneten Nistplatz finden, um ihre Eier an einer sicheren Stelle abzulegen, und so den Grundstock für eine neue Weiden-Sandbienen Generation zu legen. Womit wir wieder an genau der Stelle angekommen wären, wo mein Beitrag, letzte Woche, anfing!

Aber eins noch: eine wirklich interessante Tatsache ist, dass sich das Wildbienen Weibchen aussuchen kann, ob sie ein Ei legt aus dem später eine Tochter schlüpft oder lieber eins, in dem ein Sohn heranwächst. Dies liegt an ihrer, im Vergleich zu uns, völlig anderen genetischen Ausstattung. Nur aus befruchteten Eiern schlüpfen nämlich Weibchen. Unbefruchtete Eier dagegen bringen männlichen Nachwuchs hervor. Da das Weibchen steuern kann, welches Ei sie vor der Ablage befruchtet, kann sie gleichfalls entscheiden wann weiblicher und wann männlicher Nachwuchs entsteht!

 

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