Pollen, immer dieser Pollen

with 1 Kommentar

Zusätzlich zu meinen generellen Untersuchungen der Wildbienengesellschaft in der ehemaligen Kiesgrube schaue ich mir bei einer bestimmten Mauerbienenart an, welche Blüten die Weibchen bevorzugt anfliegen, um dort Pollen zu sammeln.

Schlüpfendes Männchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta)

Die Wildbienenart, die ich mir zum genaueren Hinsehen ausgesucht habe, ist die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta). Sie ist eine kooperative Partnerin, denn bei der Gehörnten Mauerbiene handelt es sich um einen absoluten Generalisten. Das bedeutet, sie nutzt Pollen von vielen unterschiedlichen Pflanzen und nistet zudem auch in jeglichen Hohlräumen verschiedenster Materialien. Man kann sie sowohl an alten Holzbänken auf der Suche nach Nistmöglichkeiten beobachten, wie auch an Häuserwänden, wo sie in Fugen nach geeigneten Hohlräumen sucht. Sorgen muss man sich, sollte man dies im eigenen Garten oder am eigenen Haus beobachten, jedoch nicht. Die Wildbienen sind absolut friedliche Zeitgenossen und völlig unproblematische Mitbewohner. Schaden richten sie keinen an.

Für mich ist das charakteristische Verhalten der Gehörnten Mauerbiene überaus praktisch. Durch ihre geringen Ansprüche bezüglich Behausung und Futter für ihre Larven, kann man sie so gut wie überall ansiedeln.
Ich habe für meine Versuche künstliche Nisthilfen in einer Apfelbaumplantage aufgestellt. Diese Nisthilfen erlauben einen genauen Blick in die Nester. So ist es möglich zu schauen, an welchen Pflanzen Pollen für die Larven gesammelt wird. Mein Interesse ist es herauszufinden, ob die Mauerbienen zum Pollensammeln gezielt zum momentan blühenden Raps fliegen und welche Entfernungen sie dafür in Kauf nehmen. Würde der Raps nämlich extrem attraktiv für die Mauerbienen sein, könnte dies bedeuten, dass der Raps eine große Zahl verschiedener Wildbienen anzieht, die dann nicht mehr für die Bestäubung der Apfelblüten zur Verfügung stünden. Von Honigbienen und Hummeln ist dieses Verhalten bereits bekannt. Man muss aber wissen, dass Honigbienen und Hummeln auch wesentlich weitere Flugdistanzen zwischen Nest und Futterquelle überwinden, als die meisten anderen Bienenarten.
Meine aufgestellten Nisthilfen stehen in unterschiedlichen Entfernungen zum Rapsfeld. Dadurch kann ich vergleichen, ob in den weiter entfernten Nestern unter Umständen weniger Rapspollen vorhanden ist. Dafür aber vielleicht mehr Apfelpollen? Wir werden es sehen…

 

Die Mauerbienen lassen sich von meinen Untersuchungen nicht stören. Ich habe sogar in eine Niströhre hineingeschaut, wo ein Osmia cornuta Weibchen gerade Pollen und Nektar in eine Brutzelle gebracht hat. Sie hat sich nicht von mir aus der Ruhe bringen lassen und ist weiterhin voller Eifer ihrer Arbeit nachgegangen.

Weibchen der Gehörnten Mauerbiene verproviantiert eine Brutzelle mit Pollen
Hier kann man gut erkennen, wie der Pollen transportiert wird. In den speziellen Haarstrukturen unter dem Hinterleib hängen noch jede Menge Pollen.

Mauerbienen transportieren den Pollen in struppigen Haarstrukturen unter ihrem Hinterleib. Den Nektar verschlucken sie zur Aufbewahrung in einer Art Kropf. Um die Brutzelle mit Pollen zu verproviantieren klettern die Weibchen rückwärts in die Niströhre und kämmen den Pollen mit Hilfe ihrer Hinterbeine aus den Haaren. Nachdem sie wieder herausgelaufen sind, klettern andersherum erneut in die Niströhre hinein, um dann den Nektar auf den zuvor hineingetragenen Pollen zu spucken und so eine Pollen-Nektar-Mischung für ihren Nachwuchs herzustellen. Sind sie ein paar Mal ausgeflogen und haben ausreichend Pollen und Nektar gesammelt und in die Brutzelle bugsiert, klettern sie wieder rückwärts in die Röhre und legen ein Ei auf die Pollen-Nektar-Masse. Die Eier von Mauerbienen sehen aus wie kleine, durchsichtige Reiskörner. Schlüpft die Larve kann sie sofort die erste Nahrung zu sich nehmen.

 

Osmia cornuta Brutzellen mit Ei
Eier der Gehörnten Mauerbiene liegen direkt am Pollen-Nektar-Gemisch. Links sieht man eine Brutzelle, die noch nicht fertig verproviantiert ist.
Zwei Niströhren mit unterschiedlichem Pollen.

 

Eine Antwort

  1. Tim Hornby
    | Antworten

    Wow, was für coole Fotos!
    Vor allem von der Biene mit dem Pollen unter ihrem Bauch. Ein sehr schöner Beitrag, finde ich 🙂

    Tim

Deine Gedanken zu diesem Thema