Von fürsorglichen und sehr fürsorglichen Müttern

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Nachdem ich vor einigen Tagen noch einmal meine Nisthilfen der Gehörnten Mauerbiene besucht habe, muss ich heute noch einmal über diese Wildbienen berichten.

Mittlerweile steht der Raps nicht mehr in Vollblüte und die Mauerbienenmännchen sind fast komplett von der Bildfläche verschwunden. Die Weibchen jedoch sind nach wie vor sehr fleißig und versuchen noch so viele Eier, wie möglich zu legen. Dazu müssen sie, wie letzte Woche berichtet, natürlich zunächst Nektar und Pollen sammeln, um einen Nahrungsvorrat für den Nachwuchs bereit zu stellen. Das nun wirklich Erstaunliche aber ist, dass es offenbar auch in der Wildbienenwelt Mütter gibt, die sich sehr aufopferungsvoll um den Nachwuchs sorgen und Andere, die eben so das Nötigste tun, um ihren Nachwuchs bestmöglich groß zu kriegen.

Osmia cornuta_altes Weibchen vor Nisthilfe
Ein Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) kommt zu ihrer Niströhre zurück
Osmia cornuta_altes Weibchen in Nisthilfe
Ein Weibchen der Gehörnten Mauerbiene bereit zum Abflug.

Zu erkennen ist dies an unterschiedlich verproviantierten Brutzellen. Da gibt es Solche, die so vollgestopft sind mit Pollen, dass man sich fragt, wie die Biene, die hier heranwächst, vor Körperfülle jemals aus der doch recht engen Brutröhre herauskommen soll. Andere beinhalten sehr viel weniger Pollen, sodass die hier heranwachsende Biene einfach etwas kleiner bleiben muss. Vielleicht hatte sie aber auch einfach eine kleinere Mutter, die es aus körperlichen Gründen gar nicht schaffen würde, ihrem Nachwuchs Futter in mehr Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich zur unterschiedlichen Pollenmenge kann man aber auch eine unterschiedliche Menge von Nektar in den Futtervorräten beobachten. Manche Mütter meinen es anscheinend ziemlich gut und geben ihrem Nachwuchs einiges an Zucker mit auf den Weg. Das sieht man deutlich, an einem Pollen-Nektar-Vorrat, der eine sehr breiige Konsistenz aufweist und daran, dass die Brutzellen, wenn man von oben darauf schaut, sehr nass aussehen. Andere Mütter hingegen setzen eher auf Eiweiß und bereiten ihrem Nachwuchs einen Futtervorrat, dem recht wenig Nektar zugesetzt wird. Hier besteht der überwiegende Teil des Futters aus Pollen.

Volle Brutröhre
Die erste Brutzelle ist mit extrem viel Pollen-Nektar-Gemisch gefüllt.
Nisthilfe_unterschiedlich verproviantiert
Bei diesen drei Niströhren erkennt man an den verschieden nassen Bereichen in den Zellwänden gut den unterschiedlichen Nektargehalt des Nahrungsvorrats.

Damit aber noch nicht genug an unterschiedlicher mütterlicher Fürsorge… Manche Mütter gehen sogar so weit, dass sie ihren Nachwuchs regelrecht einmauern. Sie kleiden die Brutzellen mit so großen Mengen Sand, Steinchen, Erde oder Ähnlichem aus, dass man den Pollen-Nektar-Vorrat und die Eier von oben gar nicht mehr sehen kann. Auch die Wände zwischen den einzelnen Brutzellen können je nach Baukunst des jeweiligen Mauerbienenweibchens mal mehr, mal weniger dick ausfallen. Es ist nur zu hoffen, dass der Nachwuchs der überaus vorsichtigen Mütter, die ihren Nachwuchs durch die dick gemauerten Wände gut gegen Eindringlinge schützen, als erwachsene Biene im nächsten Frühjahr stark genug ist, um sich aus den Brutzellen hinauszunagen.

Nisthilfe_unterschiedlich zugemauert
In den drei Niströhren ist der Mauerbienennachwuchs unterschiedlich stark „eingemauert“ worden.

Zu guter Letzt muss man noch wissen, dass Wildbienenweibchen selbst entscheiden können, ob sie Eier legen aus denen weiblicher oder männlicher Nachwuchs schlüpft. Interessant ist, dass den weiblichen Larven viel mehr Nahrung zur Verfügung gestellt wird, als den männlichen. Dies ist aber auch völlig in Ordnung. Da die Männchen generell kleiner sind als die Weibchen, benötigen die männlichen Larven eben auch weniger Futter.

Nisthilfe
In den hinteren Brutzellen (im linken Bildbereich) ist mehr Futterproviant in den Zellen, als in den vorderen (rechten) Brutzellen.

Es ist somit gut zu erkennen, dass in den im hinteren Bereich der Niströhren gelegenen Brutzellen Weibchen heranwachsen, während in den vorderen Brutzellen Männchen zur Welt kommen. Diese schlüpfen dann im kommenden Frühjahr zuerst aus und machen Platz für die einige Zeit später schlüpfenden Weibchen. Für die Männchen sehr praktisch: sie können vor den Niströhren auf die Weibchen warten und sich somit so schnell wie möglich mit ihnen paaren, bevor ihnen ein anderes Männchen zuvorkommt.

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