Hummeln lieben Disteln

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Disteln, vielerorts als Unkraut verschrien, können mehr als so mancher denkt! Denn dort, wo Disteln stehen bleiben und wachsen dürfen entwickelt sich eine artenreiche Bestäuber-Gesellschaft.

Wer einmal Distelblüten beobachtet hat konnte sicherlich entdecken wie viele Hummeln sich hier tummeln. Hummeln lieben Disteln. Ob Nickende Disteln (Carduus nutans), Weg-Disteln (Carduus acanthoides) oder auch Acker-Kratzdisteln (Cirsium arvense), es gibt viele verschiedene Distel-Arten, doch alle tragen gleichermaßen zu einer Verbesserung des Futterangebots für bestäubende Insekten bei.

Steinhummel an Distel
Eine Steinhummel (Bombus lapidarius) an einer Distel. Der Pollen ist an ihrem gesamten Körper verteilt.
Eventl Baumhummel an Distel
Eine Baumhummel (Bombus hypnorum) tief in einer Distelblüte „vergraben“.
Erdhummel an Distel
Eine Erdhummel aus dem Bombus-lucorum-Komplex sammelt Pollen und Nektar an einer Distelblüte.

Bei genauem Hinsehen entdeckt man nicht nur Hummeln, die tief in die Distelblüte klettern, um an ihren Nektar zu gelangen. Auch viele andere Wildbienen-Arten schätzen den Nektar und Pollen der Disteln. So habe ich keine fünf Minuten in einem Distelfeld in der Kiesgrube verbracht und konnte schon, neben vier Hummelarten, weitere drei Bienenarten entdecken. Zu den Hummelarten zählten einige Steinhummeln (Bombus lapidarius), gut zu erkennen an ihrem roten Po gepaart mit hellen Flügeln, Ackerhummeln (Bombus pascuorum), eine Baumhummel (Bombus hypnorum) und eine zur Gruppe der Erdhummeln gehörende Art (Bombus-lucorum-Komplex). Wie schon einmal beschrieben sind die Erdhummel-Arten nicht mit bloßem Auge auseinander zu halten, weswegen es mir nicht möglich ist zu sagen, um welche Art es sich hier handelte – vielleicht waren es ja sogar verschiedene Erdhummel-Arten. Zusätzlich zu den vielen umherbrummenden Hummeln fanden sich noch ein Keulhornbienen-Weibchen (Ceratina cucurbitina) und drei verschiedene Schmalbienen- oder Furchenbienen-Weibchen. Darunter die recht seltene und gleichzeitig größte Furchenbiene in Deutschland, die Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus).

Maskenbiene an Distel_Autokorrektur
Schwarzglänzende Keulhornbiene (Ceratina cucurbitina) an einer Distelblüte.
Schmalbiene oder Furchenbiene an Disteln
Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus) sammelt ebenfalls Pollen und Nektar an Disteln.
Schmalbiene oder Furchenbiene und Ackerhummel an Distel
…eine Ackerhummel (Bombus pasuorum) schaut auch noch vorbei…

Wäre ich etwas später da gewesen und nicht zur Mittagszeit in der heißesten Zeit des Tages, wären sicherlich noch mehr Arten geflogen. Aber nichtsdestotrotz: man erkennt schon so, dass ein gutes Futterangebot immer dazu beiträgt, dass sich Wildbienen in einem Lebensraum ansiedeln oder zum Pollen und Nektar sammeln vorbei schauen. Leider dürfen viele Wildpflanzen, die so wichtige natürliche Nahrungsquellen für Wildbienen und andere Insekten zur Verfügung stellen, an vielen Stellen nicht mehr wachsen, weil sie als Unkräuter gelten und als wenig hübsch empfunden werden. Dabei wäre es ein leichtes gerade Disteln und andere eher anspruchslose Wildpflanzen für die Bienen stehen zu lassen. Mit geringem Aufwand bietet man vielen Tieren so eine beliebte Nektar- und Pollenquelle im eigenen Garten. Und vielleicht findet man ja, wenn man die ganzen Wildbienenarten in seinem Garten beobachten kann auch etwas Gefallen an den vermeindlichen Unkräutern.