Die Nektarräuberin

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Eigentlich gelten Bienen als eine der wichtigsten Bestäuber-Gruppen. Nicht nur für wilde Pflanzen, sondern auch, um Blüten für leckeres Obst und Gemüse zu bestäuben.

Doch manchmal sind auch die sonst so unermüdlich bestäubenden Bienen auf Betrug aus. Dann nämlich, wenn sie an den Nektar von Blüten herangelangen möchten, dessen Blütenkelch zu lang bzw. die Bienenzunge zu kurz ist.

Verschiedene Bienenarten besitzen verschieden lange Zungen. Nicht nur aufgrund ihrer Körpergröße, sondern auch aufgrund ihrer Gattungszugehörigkeit. So gibt es Gattungen von Wildbienen, wie z.B. die Maskenbienen, die eine sehr kurze Zunge besitzen und deshalb nur an bestimmten Blüten überhaupt Nektar trinken können.

Auch unter den verschiedenen Hummelarten gibt es solche mit langen und solche mit weniger langen Zungen. Zu den Arten mit einer kürzeren Zunge zählen z.B. die helle und dunkle Erdhummel (wie schon einmal beschrieben, sind diese beiden Arten äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden).

Erdhummel an Phacelia
Erdhummel (Bombus-terrestris-lucorum-Komplex) an Büschelschön (Phacelia tanacetifolia). Hier reicht die Länge ihrer Zunge vollkommen aus, um an den Nektar zu gelangen.

Und solch eine Erdhummel habe ich vor Kurzem bei einem Nektarraub erwischt.

Es war ein recht großes Weibchen, wahrscheinlich eine Jung-Königin, das an einer Blüte der Weißen Lichtnelke (Silene latifolia) nach Nektar suchte. Der Blütenkelch der Lichtnelke ist aber ziemlich lang, sodass die Erdhummel den Nektar auf die „normale“ Art und Weise nicht erreichen kann. Also biss sie kurzerhand ein Loch in den Grund des Kelches. Danach konnte sie ihre Zunge ganz einfach durch die Öffnung stecken und an den Nektar herangelangen.

loch in lichtnelke
Lichtnelken-Blüte in die eine Erdhummel ein Loch in die Blütenbasis gebissen hat.
lichtnelken
Lichtnelken (Silene latifolia)

 

Gut für die Biene, aber für die Pflanze ein schlechtes Geschäft… Eigentlich ist es ja ein Geben und Nehmen. Die Biene bekommt Nektar und Pollen und die Pflanze wird bestäubt und kann somit Samen ausbilden, um sich fortzupflanzen. Beim Nektarraub allerdings fliegt die Biene lediglich von außen an die Blüte, ohne mit dem Pollen in Berührung zu kommen. Folglich nimmt die Biene keinen Pollen mit, wenn sie zur nächsten Blüte fliegt und es kommt zu keinerlei Bestäubung. Die Pflanze allerdings hat trotzdem hohe Kosten, denn sie muss erneut Energie aufwenden, um neuen Nektar zu produzieren.Aber sicherlich kommt früher oder später auch mal der ein oder andere Schmetterling oder ein anderes Insekt mit einer langen Zunge vorbei und erledigt die Bestäubung.

Das Aufbeißen des Blütenkelchs verläuft übrigens mit rasender Geschwindigkeit. Die von mir beobachtete Hummel hatte keinerlei Schwierigkeiten in Windeseile an den Nektar zu gelangen und schnell zur nächsten Blüte zu huschen. Leider hatte ich dadurch auch keine Chance schnell genug meine Kamera zu zücken, um ein Foto von der Aktion zu machen. Erst im Wegfliegen habe ich eine Aufnahme erhascht…

Nektardiebin flüchtet
Die Nektardiebin (Erdhummel, Bombus-terrestris-lucorum-Komplex) fliegt zur nächsten Blüte davon.