Schmalbienen – die kleinen Baukünstler

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Viele Schmalbienenarten, mit lateinischem Gattungsnamen Lasioglossum genannt, gehören zu den kleinsten einheimischen Bienen. Aber nicht nur das – sie gehören auch zu den großen Baukünstlern unter den Wildbienen.

Die Nester der Schmalbienen werden unterirdisch in freien bis wenig bewachsenen Boden angelegt. Oftmals findet man große Ansammlungen von Schmalbienen-Nestern – oberirdisch gut zu erkennen an kleinen Schornsteinen, die einige Millimeter bis Zentimeter aus dem Boden heraus ragen. Zu jedem Schornstein gehört ein eigenes Nest, d.h. jedes Nest hat tatsächlich nur einen einzigen Ein-und Ausgang. Übrigens: die Nester müssen nicht zwangsläufig alle von der selben Schmalbienenart sein. Es ist durchaus möglich, dass sich verschiedene Schmalbienenarten am selben Ort tummeln.

Lasioglossum Nestaggregation
Fünf Schmalbienen-Nester, die in unmittelbarer Nähe zueinander liegen

 

Schmalbienen leben nicht wie die meisten anderen Wildbienen allein, sondern bilden ein Volk. Dies funktioniert jedoch etwas anders, als man es von Honigbienen kennt. Schmalbienen leben nämlich nicht so extrem sozial wie Honigbienen, sondern bilden eher lockere soziale Gruppen. Es gibt zwar eine Königin und Arbeiterinnen, die für sie Pollen und Nektar sammeln, jedoch bleiben die Völker meist recht klein. Außerdem stirbt, im Gegensatz zur Honigbiene, das gesamte Volk vor dem Winter. Das Leben von Schmalbienen ist somit eher vergleichbar mit dem der Hummeln. Hier sterben die Völker auch vor dem Winter und nur die begatteten Weibchen überwintern. Wie bei den Hummeln ist es auch bei den Schmalbienen so, dass die befruchteten Weibchen den Winter als erwachsenes Individuum unter der Erde verbringen und im darauffolgenden Frühjahr ein neues Nest bauen und ein neues Volk gründen. Sind erst einmal ein paar Töchter geschlüpft, kümmert sich das Lasioglossum-Weibchen als Königin ab sofort nur noch um das Eierlegen. Um den Rest – wie das Sammeln von Pollen und Nektar oder die Pfelge der Brut – kümmern sich die ersten Nachkommen.

 

Da Wildbienen, wie schon in vorigen Beiträgen erzählt, viele Feinde haben, muss das Nest natürlich gut behütet werden. Parasitäre Wespen oder Wildbienenarten haben es nämlich auch auf die Wildbienengruppe der Schmalbienen abgesehen. Nun haben einige Schmalbienenarten eine effektive Strategie entwickelt, um Feinden das Eindringen ins Nest zu erschweren: das Volk hat besondere Wächter-Bienen, die am Eingang als Türsteherin arbeiten. Sie verschließen mit ihrem Kopf oder ganzen Körper den Nesteingang. Will eine verwandte Mitbewohnerin raus, um Pollen und Nektar sammeln zu gehen oder kommt voll beladen mit Pollen zurück, wird der Eingang frei gegeben. Allen anderen bleibt der Eintritt verwährt. Nähert man sich dem Nesteingang als interessierter Beobachter, guckt die Wächterin manchmal kurz heraus und schaut, was so vor sich geht. Kommt man aber zu nah, zieht sie sich schnell wieder in den Schornstein zurück. Schmalbienen sind eben vorsichtig!

Lasioglossum verstopft Nesteingang
Eine Schmalbienen-Wächterin streckt ihre Antennen aus
Lasioglossum guckt aus Nesteingang4
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um
Lasioglossum guckt aus Nesteingang3
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um
Lasioglossum guckt aus Nesteingang2
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um
Lasioglossum guckt aus Nesteingang
Schmalbienen-Wächterin guckt sich um

Sie tun aber auch gut daran sich vorsichtig zu verhalten, denn viele der Schmalbienenarten sind sehr klein. Viele messen nur wenige Millimeter bis knapp einen Zentimeter. Deshalb ist es auch so schwierig die Arten auf den ersten Blick auseinander zu halten.

Lasioglossum kommt heim
Eine Schmalbienen-Arbeiterin kehrt zum Nest zurück. (Ihre geringe Größe erkennt man, wenn man den Kaninchen-Köttel im Vordergrund des Bildes dazu vergleicht.)

Dass man es aber mit einer Wildbiene zu tun hat, die zur Gruppe der Schmalbienen gehört, ist relativ leicht zu erkennen. Die Weibchen der Schmalbienen tragen eine behaarte Furche auf ihrem letzten Hinterleibssegment. Diese Furche ist bei genauerem Hinsehen wie ein dunkler Längsstrich auf dem hinteren, spitz zulaufenden Ende des Hinterleibs deutlich sichtbar. Es gibt nur eine andere Wildbienengruppe, die den Schmalbienen zum Verwechseln ähnelt – die Furchenbienen. Sie sehen den Schmalbienen nicht nur farblich und von ihrem Körperbau sehr ähnlich, sondern die Furchenbienenweibchen tragen ebenfalls diese behaarte Furche auf dem Hinterleib. Furchenbienen und Schmalbienen im Feld auseinander zu halten ist deshalb recht schwierig. Die beiden Gattungen sind eng miteinander verwandt und unterscheiden sich nur in wenigen Merkmalen, die nicht immer gut zu erkennen sind.

Lasioglossum Furche
Eine Schmalbienen-Arbeiterin schlüpft zurück ins Nest. Schmalbienenarten lassen sich leicht an der behaarten Furche am Hinterleibsende erkennen. Zu verwechseln sind sie dann nur noch mit den ebenfalls eine solche Furche besitzenden Furchbienen.