Alle lieben Rainfarn, vor allem die Rainfarn Seidenbiene Colletes similis

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Vielerorts blüht er im Moment, der Rainfarn (Tanacetum vulgare). An Straßenrändern, Autobahnen und Böschungen. Überall dort, wo ausreichend Nährstoffe im Boden sind, bildet er (oftmals große) Vorkommen und leuchtet in knalligem Gelb. Es ist eine der Pflanzenarten, die im Spätsommer noch Pollen und Nektar für viele Wildbienen liefert. Deshalb sollte man gerade hier einmal die Augen offen halten. Jetzt, am Ende des Sommers, versammeln sich die letzten Blütenbesucher an den noch verbliebenen Blüten und lassen sich hier beim Sammeln von Pollen und auch beim Nektartrinken gut beobachten.

Eine von ihnen ist die Wildbiene Colletes similis, eine seltene Vertreterin der Gruppe der Seidenbienen.

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(Wahrscheinlich) Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) beim Nektartrinken auf Rainfarn (Tanacetum vurlgare)

 

Ich hatte die Gelegenheit sie in einem relativ großen Rainfarn-Feld in mitten der Kiesgrube zu beobachten. Da sie sowohl in Bezug auf ihre bevorzugten Pollenquellen, als auch in Bezug auf die von ihr ausgewählten Nistplätze, sehr eigen ist, ist ein Ort, wie die Kiesgrube sie darstellt ein guter Platz, um sie anzutreffen.

Durch ihre auffällige Gestalt ist sie fast nicht zu übersehen. Mit einer Körpergröße von 9 – 11 mm etwas kleiner als eine Honigbiene gehört sie zwar nicht zu den Größten, lässt sich aber doch gut auf den kleinen, gelben Rainfarn Blüten erkennen. Typisch für diese Seidenbienenart sind die breiten, gelblich-beigen, filzig wirkenden Binden auf dem Hinterleib. Einzig die Gemeine Seidenbiene (Colletes daviesanus), die zudem deutlich häufiger ist, kann leicht mit ihr verwechselt werden. Diese beiden Arten lassen sich auf den ersten Blick im Feld tatsächlich nicht voneinander unterscheiden. Dazu muss man sie genauer unter die Lupe nehmen…

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Sowohl die Rainfarn Seidenbiene (Colletes similis) als auch die Gemeine Seidenbiene (Colletes daviesanus) besitzt auf ihrem Hinterleib breite, beige Binden, wodurch die eindeutige Identifikation nicht auf den ersten Blick möglich ist.

 

Sowohl Colletes daviesanus als auch Colletes similis trifft man zurzeit auf Rainfarn an. Beide Arten gehören zur Gruppe der oligolektischen Wildbienen. Das heißt, sie sammeln Pollen nur auf ausgewählten Pflanzenarten. Zumeist gehören diese Pflanzen zur selben Gattung oder zumindest zur selben Familie. Wie bei der schon in einem der letzten Beiträge vorgestellten Hosenbiene Dasypoda hirtipes, sammeln die Seidenbienen-Weibchen von Colletes daviesanus und Colletes similis ihren Pollen ausschließlich auf Korbblütlern (Asteraceen). Zu denen zählt der derzeit blühende Rainfarn. Da die Rainfarn Seidenbiene nun erst so spät im Sommer ausfliegt, ist der Rainfarn eine ihrer beliebtesten Pollenquellen und damit auch gleichzeitig ihr Namensgeber. Übrigens im Gegensatz zum Pollensammelverhalten, sind bislang keine Spezialisierungen in Bezug auf das Sammeln von Nektar bekannt. Demnach können sich auch die oligolektischen Pollenspezialisten auf allerlei verschiedenen Blüten stärken und Nektar für ihren Nachwuchs mitnehmen.

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Vermutlich ein Rainfarn Seidenbienen-Weibchen (Colletes similis) auf Rainfarn. Ein Männchen habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen.

 

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Das selbe Seidenbienen-Weibchen auf der weiteren Suche nach noch mit Nektar gefüllten Rainfarn-Blüten.

Eins haben alle Seidenbienen-Weibchen gemeinsam: ihren spitzen Hinterleib. Hieran ist ihre Gattungszugehörigkeit leicht feststellen.

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Das Seidenbienen Weibchen drehte sich so, dass ihr spitz zulaufender Hinterleib nicht zu übersehen war.

 

Außerdem nisten alle Seidenbienenarten in selbst gegrabenen Nestern in der Erde. Entweder in horizontalen Bodenflächen, sandig-lehmigen Steilwänden oder schütter bis nicht bewachsenen Böschungen. Manchmal findet man sogar eine regelrechte Ansammlung von Seidenbienen, die viele dutzend Nester umfassen kann. Da jedes Weibchen ein eigenes Nest baut, werden diese dann oft dicht beieinander, im Abstand von nur wenigen Zentimetern, angelegt.

Übrigens, ihren Namen tragen Seidenbienen aufgrund der Eigenart ihre Brutzellen speziell zu verkleiden: Mit einem speziellen Sekret verputzen sie die Zellwände von innen, um zu verhindern, dass Krankheitserreger, wie Bakterien, Pilze oder andere Eindringlinge dem Ei, und später der Larve, zu nah kommen. Wenn dieses Sekret dann aushärtet bekommt es eine seidig, colphanartige Struktur.