Begegnung mit Frau Rotschopf

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Wie ihr sicher festgestellt habt, habe ich ein neues Titel-Foto. Und die Art, die dieses Foto zeigt, möchte ich euch heute gerne vorstellen.

Es handelt sich um die Rotschopfige Sandbiene, Andrena haemorrhoa. Gut zu erkennen sind die Weibchen dieser, mit rund einem Zentimeter Körpergröße, recht kleinen Wildbienenart an ihrem rostroten Flaum am Rücken und der ebenfalls rostrot gefärbten Hinterleibsspitze.

Ich habe das Weibchen auf den Fotos gar nicht an meinem eigentlichen Arbeitsplatz, in der Kiesgrube angetroffen, sondern auf einer Streuobstwiese inmitten von landwirtschaftlich genutzer Felder.
Und genau dort gehört Andrena haemorrhoa hin. Sie ist nämlich eine typische Art des Kulturlandes und kommt gut mit den Bedingungen klar, die sich ihr hier bieten. In der Kulturlandschaft gibt es für eine kurze Zeit, wenn die Obstbäume oder der Raps blühen, ein überaus großes Angebot an Nektar und Pollen. Sind diese Pflanzen aber verblüht, gibt es oftmals von einem Tag auf den anderen kein ausreichendes Futterangebot mehr. Dies stellt für viele Arten ein großes Problem dar, weswegen in stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten nur die Arten leben, die sich an diese Gegebenheiten anpassen können. Und das sind nicht gerade viele. Die Rotschopfige Sandbiene hingegen kommt hier gut zurecht.

Entgegen dem lustig klingenden Titel meines Beitrags heute, ist die Geschichte, die dahinter steckt, eher eine traurige. Jedoch auch eine völlig natürliche.
Ich fand das Sandbienen Weibchen an einer offenen, sandigen Stelle am Boden sitzend. Zuerst dachte ich, sie sei dort vielleicht gerade auf der Suche nach einer geeigneten Stelle zum Bauen ihres Nestes. Bei genauerem Hinsehen aber stellte ich fest, dass sie offenbar ziemlich schlapp war. Kurzentschlossen habe ich sie auf die Hand genommen und sie an eine Blüte eines Pflaumenbaumes gesetzt. Dort hat sie sofort begonnen den Nektar zu trinken. Sie schien sich aber nicht so recht erholen zu wollen, was mich zu der Einsicht brachte, dass sie wohl am Ende ihre Lebens angekommen war.
Ein ganz charakteristisches Merkmal der meisten Wildbienenarten ist, dass sie nur wenige Wochen als erwachsenes Tier leben. Die Lebenserwartung der meisten Wildbienen beträgt ungefähr vier bis sechs Wochen. Eine Ausnahme bilden da zwar zum Beispiel die Hummelköniginnen, ihre Arbeiterinnen aber besitzen ebenfalls keine überaus lange Lebensspanne. Die Arbeiterin, die wir im Mai beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten ist sicher nicht die selbe, die wir noch im August zu Gesicht bekommen.

Wenn es nun bei meinem Sandbienen Weibchen so war, dass sie eine der ersten ihrer Art war, die bereits Mitte März aus ihrem Nest geschlüpt ist, lebte sie bei unserem Zusammentreffen schon vier bis fünf Wochen. Und sicher hatte sie schon einiges in ihrem Leben geleistet. Wahrscheinlich hatte sie schon viele Brutzellen für ihren Nachwuchs angelegt, mit Nektar und Pollen verproviantiert und Eier gelegt. Nun hat ihre Energie nicht mehr ausgereicht, um von Blüte zu Blüte zu fliegen. Deshalb hat sie sich von mir von Obstblüte zu Obstblüte tragen lassen und hat den ihr angebotenen Nektar scheinbar dankbar angenommen.
Mir eröffnete das die seltene Gelegenheit einen genaueren Blick auf sie zu werfen und ganz ausgiebig zu beobachten, wie sie ihre lange Zunge in die Blüten streckt und vermeindlich gierig den Nektar herausschlürft…

 

Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene trinkt Nektar aus einer Pflaumenblüte und hält sich noch eine meiner Hand fest
Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene trinkt Nektar aus einer Pflaumenblüte und hält sich dabei noch an meiner Hand fest
Weibchen der Rotschopfigen Sandbienen (Andrena haemorrhoa)
Weibchen der Rotschopfigen Sandbienen (Andrena haemorrhoa)
Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene (Andrena haemorrhoa) an einer Pflaumenblüte
Weibchen der Rotschopfigen Sandbiene (Andrena haemorrhoa) an einer Pflaumenblüte

A.haemorrhoa

 

 

 

 

Zur Sache, Baby

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Auch Wildbienen müssen sich natürlich paaren, um Nachwuchs zu bekommen! Keine verwunderliche Sache, aber doch etwas worüber man, wenn es um Insekten geht, oftmals keinen Gedanken verliert.

Eigentlich wollte ich euch ja heute eine neue Wildbienenart vorstellen. Aber nun habe ich mich doch dazu entschieden noch einmal auf die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) von letzter Woche zu sprechen zu kommen – immerhin ist auch gerade ihre Zeit! Sie ist nämlich nur von Ende Februar/ Anfang April bis in den Mai hinein aktiv und draußen zu sehen. Danach sterben alle erwachsenen Tiere und der Nachwuchs bleibt bis zum kommenden Frühjahr gut versteckt unter der Erde. Aber momentan müsst ihr wirklich mal die Augen offen halten, vor Allem an kahlen, sandigen Stellen . Die Weiden-Sandbiene mit ihrem silber-grauen Pelz ist kaum zu übersehen!

Ich hatte vor zwei Tagen das Glück zwei Weiden-Sandbienen bei der Paarung beobachten zu können.
…Und die Paarung bei Wildbienen ist gar keine so unkomplizierte Sache. Einerseits, weil es oftmals viele Männchen gibt, die sich um ein und das selbe Weibchen streiten und andererseits, weil sich die Männchen den Weibchen regelrecht aufdrängen, anstatt höflich um das Weibchen zu werben. Ja, aus menschlicher Sicht betrachtet erscheint es beinah so, als würde dem Weibchen überhaupt keine Wahl gelassen und keinerlei Mitentscheidungsrecht eingeräumt mit welchem Männchen sie sich gern paaren würde. Was für uns ungehobelt scheint, ist für Wildbienen völlig normal. Aus einer evolutionären Perspektive gesehen hat sich das System anscheinend aber bewährt…

Aber zurück zu meinem Sandbienen Paar. Die beiden haben sich eine geraume Zeit gebalgt. Das Weibchen hat immer wieder versucht wegzufliegen, doch mit einem schweren Männchen auf dem Rücken, ist das gar nicht so leicht. Also haben sie sich in Bodennähe aufgehalten, was für mich natürlich ziemlich praktisch war, um brauchbare Fotos zu schießen. Nachdem ich die beiden entdeckt hatte, dauerte das Liebesspiel noch ungefähr zwei Minuten. Danach schubste das Weibchen das Männchen gerade zu von sich und flog ein Stück in die Luft. Das interessante aber war, dass nicht sie diejenige war, die anschließend das Weite suchte, sondern das Männchen, das sich schnell aus dem Staub machte. Das Weibchen flog noch einige Zeit über der Stelle, um später auch davon zu fliegen. Das Männchen fand ich in kurzer Entfernung auf einem abgebrochenen Bambushalm. Er hatte sich dort niedergelassen und putzte sich erst einmal ausgiebig!

2015_04-12_Andrena vaga Paarung an Kbahn (3)
Weiden-Sandbienen (Andrena vaga) Weibchen unten. Das Männchen auf ihrem Rücken.
2015_04-12_Andrena vaga Paarung an Kbahn (1)
Ein Paarungsversuch.
2015_04-12_Andrena vaga Paarung an Kbahn (7)
Nach der Paarung gehen Männchen und Weibchen sofort getrennte Wege.

 

Für das Weibchen beginnt nun, nach der Paarung, ein weiterer sehr bedeutender Teil ihres Lebens. Sie muss einen geeigneten Nistplatz finden, um ihre Eier an einer sicheren Stelle abzulegen, und so den Grundstock für eine neue Weiden-Sandbienen Generation zu legen. Womit wir wieder an genau der Stelle angekommen wären, wo mein Beitrag, letzte Woche, anfing!

Aber eins noch: eine wirklich interessante Tatsache ist, dass sich das Wildbienen Weibchen aussuchen kann, ob sie ein Ei legt aus dem später eine Tochter schlüpft oder lieber eins, in dem ein Sohn heranwächst. Dies liegt an ihrer, im Vergleich zu uns, völlig anderen genetischen Ausstattung. Nur aus befruchteten Eiern schlüpfen nämlich Weibchen. Unbefruchtete Eier dagegen bringen männlichen Nachwuchs hervor. Da das Weibchen steuern kann, welches Ei sie vor der Ablage befruchtet, kann sie gleichfalls entscheiden wann weiblicher und wann männlicher Nachwuchs entsteht!