Zu jeder guten Geschichte gehört ein guter Schurke

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Wie es so ist im Leben: es gibt diejenigen, die hart arbeiten, um etwas zu erreichen, und diejenigen, die es sich auf Kosten anderer gut gehen lassen.

Und ja, auch im Tierreich gibt es hierzu zahlreiche Beispiele. Man denke nur an den Kuckuck, der seine Eier nicht selbst ausbrütet, sonern sie in die Nester anderer Vögel schmuggelt. Auch das Wildbienenleben bildet hier keine Ausnahme.

So ziemlich jede Wildbienenart hat mit ihren ganz eigenen Gegenspielern zu kämpfen – Ganoven, die sich nicht selbst die Mühe machen ein Nest für Ihren Nachwuchs anzulegen, sondern ihre Eier einfach bei anderen mit ins Nest legen. Ist ja auch völlig logisch.Wenn es funktioniert, warum nicht? Warum sich die Mühe machen und haufenweise Pollen und Nektar sammeln? Warum mühsam Material herbei schaffen, um damit Niströhren auszukleiden und zu verschließen? Warum alles mögliche dafür tun, dass der Nachwuchs gut gegen eben diese Schmarotzer geschützt ist?
…Und diese Strategie der sogenannten Kuckucksbienen oder auch Brutparasiten ist erfolgversprechend. Die Larven der Kuckucksbienen entwickeln sich schneller, als die der sogenannten Wirtsbienenart, sodass die Kuckucks-Larve noch bevor ihre Mitbewohnerin oder ihr Mitbewohner schlüpt den Futtervorrat vertilgt hat.

Nichtsdestotrotz haben die Schmarotzer keinen großen negativen Einfluss auf das Überleben der Gesamtpopulation der Wirtsbienenarten. Ein Parasit täte eben schlecht daran, wenn er denjenigen ausrotten würde, der für das Überleben des eigenen Nachwuchses sorgt. So entsteht ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen, mit dem sich alle Beteiligten arrangiert zu haben scheinen. So kommt es aber nicht nur vor, dass schmarotzende Wildbienen ihre Eier in fremde Nester legen. Es gibt noch viele andere Insekten, die eine ähnliche Strategie verfolgen. Zum Beispiel die nur wenige Millimeter großen, durch ihren metalisch in blau, grün und rot schimmernden Körper, unverwechselbaren und wunderhübschen Goldwespen. Die Larven dieser Wespen ernähren sich im Vergleich zu den Larven der Kuckucksbienen jedoch direkt von den Eiern oder Larven der Wirtsbienen, sind also Fleischfresser.

Goldwespe
Goldwespe an einer Niströhre der Frühjahrs-Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Hierzu habe ich vor Kurzem eine wirklich interessante Beobachtung gemacht: Ein Pelzbienenweibchen kam vollbeladen mit Pollen zu ihrer Niströhre zurück, die sie in einer Lehm-Steilwand angelegt hatte. Sie kletterte ganz selbstverständlich hinein, um den Pollen für ihren Nachwuchs in einer Brutzelle zu verstauen. Als sie tief in der Röhre verschwunden war, kam eine Goldwespe vorbei. Diese inspizierte den Nesteingang, lief vor dem Eingang hin und her, schien sich aber nicht ganz sicher zu sein, ob die Luft rein ist. Letztendlich entschied sie sich dann doch dazu, lieber das Weite zu suchen. Vielleicht hatte die Goldwespe festgestellt, dass es sich hier nicht um die richtige Wirtsart handelt, denn nicht jede Bienenart ist gleich gut für die unterschiedlichen parasitischen Arten geeignet. Oder sie hatte bemerkt, dass Mutter Pelzbiene sich gerade noch in der Röhre aufhält.
Gut so! Denn kurze Zeit später tauchte das Pelzbienenweibchen auf und wollte aus ihrer Brutröhre herauskommen. Anscheinend hatte sie aber ebenfalls bemerkt, dass etwas nicht ganz stimmte, denn sie hielt sich noch eine lange Zeit im Eingangsbereich auf und tastete den Eingang mit ihren Antennen ab.

Goldwespe
Die Goldwespe guckt, ob sie hier ein Ei hinein legen könnte.
Pelzbiene in Niströhre
Das Pelzbienenweibchen versteckt sich noch in ihrer Niströhre

Bienen riechen, genauso wie Wespen und viele andere Insekten, mit ihren Antennen. Es machte den Anschein, als wollte das Pelzbienenweibchen erst einmal erschnüffeln, ob ihre Widersacherin tatsächlich verschwunden war und sie sich unbekümmert vom Nest entfernen konnte. Als sie sicher war, dass alles okay ist, machte sich sich erneut auf den Weg, um Pollen und Nektar zu sammeln.

 

Es dauerte aber nicht lange, da erblickte ich dann tatsächlich eine Kuckucksbiene –  ein Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana). Diese Kuckucksbienenart macht ihrem Namen alle Ehre, denn die Ähnlichkeit mit richtigen Wespen ist hier kaum zu übersehen.
Diese Schmarotzer-Wildbienen parasitieren unter anderem die Brutzellen der Weiden-Sandbiene (Andrena vaga), die ich in einem meiner ersten Beiträge vorgestellt habe. Das Wespenbienenmännchen war natürlich nicht auf der Suche nach einem Sandbienenweibchen. Vielmehr war er offenbar auf der Suche nach einer geeigneten Partnerin seiner eigenen Art. Dazu hielt er sich sehr lange an ein und derselben Stelle auf. Gut für mich, denn so konnte ich ihn ausgiebig beobachten und fotografieren.

Nomada Maennchen
Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana)
Nomada Maennchen
Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana)
Nomada Maennchen
Männchen der Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana)

Aber unter Umständen auch gut für ihn. An genau dieser Stelle habe ich nämlich auch schon Sandbienenweibchen bei der Verproviantierung von Brutzellen gesehen. Demnach ist die Strategie  des Wespenbienenmannes vielleicht gar nicht so schlecht. Wenn er Glück hat, muss er einfach nur warten, bis in einer Brutröhre, die von Weiden-Sandbienen im Vorjahr dort angelegt wurde, ein Wespenbienenweibchen schlüpft und an die frische Luft hinaus klettert!

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